Archiv der Kategorie: Afrika

South Western Township – SOWETO

Nach unserer erfolgreichen Shoppingtour hatten wir uns überlegt noch eine Tour nach Soweto zu machen, um den ärmsten und gleichzeitig den gefährlichsten Teil Johannesburgs zu sehen. Im Internet suchten wir nach einer Tour ohne den gemeingefährlichen Touristen und wurden schnell fündig. Kurzerhand schrieben wir den Guide an und hofften auf eine schnelle Antwort, da unser Vorhaben doch sehr kurzfristig war. Daher gestalteten wir unsere Anfrage so deutlich wie möglich. Als Antwort kurze Zeit später kam dann „Ruft mich einfach an, dann können wir alles besprechen.“ Ein einfaches „Na klar, wo kann ich euch abholen?“ oder „Sicher. Wir treffen uns am besten da und da“ wäre auch zu schön gewesen. Da wir beide so unfassbar gern telefonieren, besonders in einer anderen Sprache und man den Gegenüber so gut versteht wie den polnischen Nachrichtensprecher im Radio, wenn man durch einen Tunnel fährt, entschlossen wir, die Tour über die Rezeption zu buchen, um nicht wieder mit Schnick-Schnack-Schnuck (unsere Lösung für alle Belange) zu entscheiden, wer diesmal zum Hörer greifen muss.
Nach dem Frühstück erwartete uns dann auch schon Jaco, der uns in seinem Pampersbomber zunächst zu einem afrikanischen Markt brachte. Und diesmal war es tatsächlich ein richtiger Markt. Wir staunten und sahen uns alle Schnitzereien und jeglichen Nippes an. Handelten mit freundlichen Afrikanern und lauschten der Trommelmusik einer kleinen Schulband. Nach 1,5 Stunden auf mehreren Ebenen und auch auf dem Dach verließen wir stolz den Markt mit unseren Errungenschaften. Jaco fuhr mit uns weiter zum Mandela Haus, wo wir uns erneut über das Leben Mandelas informierten. Dann ging es auch schon weiter in eine traditionelle afrikanische Kneipe – einer sogenannten Shebeen. In Johannesburg kommt man auch ohne Leuchtreklame aus, denn eine Shebeen ist quasi nur ein kleiner Schuppen, der hinter das eigene Familienhaus gesetzt wird.

IMG_0059Nun saßen wir also im Schuppen und Jaco zauberte einen Milchkarton auf den Tisch: JoBurg Beer. IMG_0061Ahja. Der Karton spannte so wie meine Hose nach einem fünf Gänge Menü im DocCheng. Nach dem Öffnen zischte es kurz und Jaco ergoss das Gesöff in eine hölzerne Schale. Ina und ich amüsierten uns noch immer über die Verpackung auf der groß prangte: „Don’t drink and walk on the street because you might get killed“! Ein kurzer Blick in die Schale genügte mir an sich schon und hätte ich nicht gesehen, dass er das „Getränk“ eingeschenkt hat, hätte ich es gnadenlos als Spuckschüssel identifiziert. Aber aus Höflichkeit nahm ich die Schüssel mutig in beide Hände und trank das leicht ausgeflockte weiße Gebräu. Eine Mischung aus saurem Joghurt mit Weißwein trifft es glaube ich ganz gut. Gruselig. Ina nippte ebenfalls und freute sich lediglich, dass es nicht nach Bier schmeckte…
Wieder ins Auto und weiter in einen Park, in dem wir auf einen Turm mit 49 Stufen kletterten (diese stehen für die Teile Sowetos meine ich mich zu erinnern). Von dort konnten wir das ganze Township überblicken und der Turmwart, der zu uns gestoßen war, erklärte uns wichtige Einzelheiten über die Entstehung, bevor er uns in ein kleines afrikanisches Dorf mitten im Park führte. Ein afrikanischer Schamane hatte dieses erbaut, um die Kultur zu erhalten. Er war nicht nur Medizinmann, sondern auch Hellseher und hatte bereits 1976 den 11. September 2001 in einem Wandbild vorher gesagt. Richtig verrückt… IMG_0072Wir ließen uns also verschiedene Skulpturen und alte Hütten erklären und bedankten uns mit einer großzügigen Spende. Anschließend fuhren wir zur größten Kirche in Soweto, die im Juni 1976 zum Zufluchtsort vieler Studenten wurde. Der Aufstand von Soweto ging in die Geschichte ein. Der Protest gegen die rassistische Bildungspolitik und das gesamte Apartheidsregime des Landes forderte viele Todesopfer. Alle umliegenden Geschäfte waren von der Polizei geschlossen worden, nur die Kirche nicht, da der Pastor weiß war und ihm die Polizei nichts vorschreiben konnte. In der Kirche waren noch einige Einschusslöcher zu sehen und Danny unserer Erklärbär in der Kirche erzählte uns die ganze Geschichte und führte uns durch das Gebäude. Wir haben ihn zwar kaum verstanden, aber nett lächeln und winken klappt eben überall. Auch hier erleichterten wir uns im Anschluss um ein paar Rand und warfen diese in den Spendentopf. Karma und so…
Last but not least ging es dann noch tiefer nach Soweto und wir fuhren vorbei an großen Müllbergen, die die Straße säumten bis hin zu einem riesigen Platz. Jaco war bis dahin auch bei den Führungen immer bei uns gewesen, auch wenn er sich meist im Hintergrund hielt. Hier jedoch übergab er uns in die Obhut zweier Jugendlicher, die direkt im Township aufgewachsen waren und nun eine kleine Jugendorganisation leiteten, um Kindern eine bessere Zukunft im Hinblick auf ihre schulische Ausbildung zu ermöglichen. Diese beiden Jungs, kaum älter als wir, sollten uns nun ins Herz von Soweto führen. Über eine Brücke, die die Hütten im Hintergrund nur teilweise versteckte, gelangten wir auf die andere Seite und auf etwas was wir bis dahin nur im Fernsehen, bestenfalls bei den Werbespots für SOS-Kinderdörfer, gesehen hatten. IMG_0090Wir wurden beäugt genauso wie wir beäugten und liefen über eine sandige Straße. Neben uns lagen Häuser, die diesem Ausdruck nicht gerecht werden und mit einem Zaun aus dem Gestell von Matratzen umrandet waren. Kinder spielten mit kaputten Bastkörben Fußball, von überall ertönte Musik und wir mittendrin. Wir sollten Fragen stellen, aber was fragt man, wenn der Kopf plötzlich leer ist? Wir liefen vorbei an einem Dixie-Klo, welches dem gesamten „Dorf“ als Toilette diente. Strom wurde illegal abgezapft und fließendes Wasser gab es an einer Sammelstelle in der Mitte, wenn man von dem Rinnsal absieht, welches neben der sandigen Straße entlang lief und der Abfluss der Toilette war. Nach ein paar Minuten kamen wir zum ganzen Stolz der beiden: der Tagesstätte, die die Organisation gebaut hatte. Hier spielten noch mehr Kinder, die mit großen Augen unsere Schuhe betrachteten, die für uns normal, für hier aber recht bunt erschienen. Es gab eine Bibliothek, die jedes Kind eine Stunde am Tag besuchen musste, einen Essensaal und sogar ein Fernsehzimmer. Die Jungs erzählten, wir staunten. Auf dem Rückweg sahen wir wieder viele Kinder, die uns ansahen und winkten. Die Wehmut, die uns kein Wort sagen ließ, war nirgends zu erkennen, weder bei den beiden Jungs, die stolz von ihrem Township erzählten noch bei den Kindern, die vor unserer Nase tanzten oder sich wie kleine Kinder eben einfach durch die Straße jagten.
Die Zeilen reichen bei Weitem nicht um annähernd zu beschreiben, welches Gefühl die Bilder, Gerüche und Geschichten in einem auslösen. Und so ließen wir die beiden Jungs zurück, nachdem wir ihnen gedankt hatten und fuhren still mit Jaco zu unserem Hotel.

Erkenntnis des Tages: Wir haben gelernt, auf einem Markt zu handeln und das Geld, welches wir gespart hatten, haben wir gern auf unserer Tour wieder gespendet. Am letzten Tag haben wir all das gefunden was uns in drei Wochen Afrika irgendwie gefehlt hat.

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T-Shirts und TukTuks

Früh morgens aus den Federn gefallen, haben wir uns auf zu einem Markt gemacht. Angepriesen als wunderschöner einheimischer „Bauernmarkt“ auf dem Dach eines Einkaufscenters, waren wir voller Vorfreude auf bunte Farben und dichtes Gedränge. Naja, bunt waren die fünf Mangos und drei Erdbeeren schon. Und dichtes Gedränge lies sich auch nicht vermeiden. Lag aber wohl daran, dass der Markt auf dem Parkplatz eines Geschäfts und eines Cafés war und mit vier Ständen schon restlos überfüllt schien. Also begaben wir uns leicht frustriert ins Café unter uns. Ich hatte die nächste halbe Stunde Mühe, Alines Augen von den Bernstein-farbendenen Augen des Kellners loszueisen, in dessen Blick sich mein geliebtes Wesen gerne verlor. Jaja, schokobraune Haut und die passenden Augen und schon hat der Ina’sche Lockenkopf nichts mehr zu melden 😉

Als wir wieder in Richtung Gasthaus aufbrachen, warfen wir noch einen kleinen Blick in den Klamottenladen nebenan. Böser Fehler… Schon hatten wir die wie ein Gummiball um uns herum springende Verkäuferin als zweiten Schatten an unseren Fersen. Die wäre uns auch in die Kabine gefolgt, hätten wir sie vorher nicht leicht mahnend angeschaut.
Von sich aus schon diverse Rabatte anbietend, erschien es uns nicht weitab, dass sie auch noch ihren Bruder verkaufen würde, hätten wir einen guten Preis angeboten. Hätte der die Augen des Kellners gehabt, hätte Aline sicher die Kreditkarte gezückt. 😉
Als wir gerade unsere beiden Shirts bezahlen wollten, fiel uns eine metallene Garderobenleiste in Form der Skyline von Johannesburg auf. Schönes Teil, aber für uns nicht zu transportieren. Kaum bemerkte die Verkäuferin unseren Blick, hatten wir das Teil in allen erdenklichen Farben und Größen vor der Nase. Inklusive riesen Rabatt, hach, was ein Glückstag. Einzige Prämisse: das Ding musste bar bezahlt werden. Also überlegten wir, nochmal zum Automaten zu gehen, Geld zu holen, das Ding zu kaufen und dann per Post nach Deutschland zu schicken. Und wir Idioten teilten diesen Plan der Verkäuferin mit… Das Geschäft ihres Lebens witternd (ich wette, wir hätten immer noch viel zu viel gezahlt…) wollte sie uns ein TukTuk rufen (diese dreirädrigen Roller mit Kabine, die man sonst eher aus China kennt…). Ihr Plan: TukTuk fährt uns zur Bank, zurück zum Laden, dann kaufen wir das Zeug, also Shirts plus Kleiderhakendingens, und fahren dann zur Post. Es war Samstagmittag, unser Flieger würde montags um zehn Uhr morgens gehen. Es war also nun die einige Chance, das Ding noch zu verschicken.
Irgendwie beschlich uns aber so langsam ein ungutes Gefühl. So schön war das Hakendingens nun doch nicht mehr und so ein bisschen verkratzt war es ja auch. Und was, wenn die Post schon geschlossen hat…?
IMG_0014Vollkommen feige und ein klein wenig überfordert überlegten wir also, wie wir aus der Nummer rauskämen, aber die Shirts mitnehmen könnten. Natürlich ohne der Verkäuferin zu sagen, dass wir nur die Shirts wollen und nicht mehr das Ding. Das TukTuk war schon auf dem Weg zu uns, die Verkäufern hatte es netterweise in der Zwischenzeit schon gerufen…
Da kam uns die rettende Idee… Unsere Kamera! Die hatten wir auch dabei. Ohne Hülle oder Tasche. Ist ja schon mächtig auffällig. Und eine braune Papiertüte mit T-Shirts drin wäre weit weniger auffällig. Also verkauften wir der Verkäufern die Geschichte mit der Kamera und sagten ihr, dass wir die Shirts schon mal mitnehmen – nur wegen der Kamera – und dann Geld holen würden, um die Hakendingsbums zu kaufen.
Wir bezahlten also das Shirt, unser TukTuk kam und wurde gleich von der Verkäuferin instruiert. Kaum saßen wir alleine in dem schnuckeligen Gefährt, beschworen wir den Fahrer, uns vollkommen woanders rauszulassen, Hauptsache weit genug weg vom Laden. Die fünf Minuten Fahrt waren schon sehr abenteuerlich. Der Fahrer des Taxis war anscheinend genauso überrascht wie wir, dass das Gefährt mehrere Gänge hat, denn er war mehr mit Neustarts nach dem Abwürgen des Motors beschäftigt, als mit Schalten.
Aufgrund unseres schlechten Gewissens gegenüber der Verkäuferin und zur akuten Karma-Bereinigung, gaben wir auch reichlich Trinkgeld und verkrümelten uns in die Tiefen eines anderen Jo’Burgers Cafés.

Erkenntnis des Tages: wir sind furchtbar feige – wir haben uns ständig versucht einzureden, dass es einfach höflicher war – und handeln müssen wir noch üben. Aber das Karma ist bestechlich, also alles super!

Welcome to paradise

Nach unseren Ballermann-Erlebnissen zog es uns am nächsten Tag in die Drakensberge. Unberührte Natur und imposante Landschaft versprachen die Dame an der Rezeption und der Reiseführer. Also wieder ab in unseren Elefantenturnschuh, auf die linke Seite der Straße und in Richtung Sonne, die schon morgens um neun richtig Zunder hat. Fand unsere Sonnen-gebrannte Haut auch, weswegen wir kurzerhand im Pulli fuhren. Besser Schweiß als Brandblasen, war unser Credo.
Es ging über halb asphaltiere Straßen, mit Schlaglöchern, in die ich mich hinein legen konnte. Es war wohl eher ein Schlagloch mit ein bisschen Straße drum herum, als eine Straße mit Schlaglöchern… Die Achse unseres Autos ächzte flehend, wenn wir uns mit 20 km/h Schlagloch hoch und Schlagloch runter unseren Weg bahnten. Stoßgebete zum heiligen ADAC gab’s im Minutentakt, weil wir ungern irgendwo im nirgendwo liegen bleiben wollten. Und wir waren uns sicher, dass wir mit dem Kühlwasser unseres Autos einen Kaffee hätten aufbrühen können. Es gibt eindeutig Gründe, warum hier alle Nase lang ein Auto mit Warnblinker am Straßenrand steht…
Und so ging es drei Stunden lang durch eine atemberaubende Landschaft. Als verwöhnte Mitteleuropäer, die zwischen schönen Hügeln und Wäldern aufgewachsen sind, sind wir nicht leicht zu beeindrucken. Wenn man jedoch im zweiten Gang einen Berg hinauf rattert, dass der Motor schnauft und von oben einen wahnsinnigen Blick hat, kann man schon staunen.
Kreidefelsen, die hunderte Meter senkrecht in den Himmel ragen, um vorbei ziehende Wolken in kleine Fetzen zu zerteilen oder leicht mit ihrer Kuppe zu kitzeln. Ein Sonnenlicht, was diese Steinriesen in alle erdenklichen rot- und braun-Töne taucht, durchmischt mit einem sandigen Gelb, um Ihnen noch mehr Größe zu verleihen. Dazu der Blick auf einen kilometerlangen See, der sich seinen Weg zwischen den Felsen gebahnt hat und durch den Himmel in ein stählernes Blau getaucht wurde, was nur vom weiß einer zarten Gischt unterbrochen wird, wenn leichte Wellen ans Ufer gespült werden.
Freunde, kann man mal machen, da kommt echt der Poet in uns durch!

Und dann kamen wir in Clarens an. Ein herrlich entspanntes und vollkommen unaufgeregtes Künstlerdorf inmitten dieser Felslandschaft. Hier haben wir ein so herrlich liebevoll gestaltetes Mini-Cottage gefunden, was uns so gut gefällt, dass wir am liebsten bis zu unserer Abreise hier bleiben würden.
Und heute morgens ging es gleich zum Wandern. Einen winzigen Pfad entlang über Felsen, unter Sträucher und zwischen Bäche. Ein Knaller! Und dann konnte man auch noch einige der Felsen hinauf klettern. Was ein Gefühl! Den harten Fels an den Fingerkuppen, von der Morgensonne schon vorgewärmt, die Füße auf kleinen Vorsprüngen. Schöner kann klettern nicht sein. Da kommt keine Halle mit bunten Griffen oder Boulder-Matten mit.

Man kann also sagen: es gefällt uns hier. Ob es typisch afrikanisch ist? Können wir nicht sagen. Wollen wir auch gar nicht. Stereotypie und Schubladendenken gibt es hier zu Genüge. Da reihen wir uns einfach nicht ein, sondern entdecken das Afrika, was sich uns eröffnet. Und nehmen die Dinge mit, die zwischen den Zeilen stehen.

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Schöne Bilder folgen 🙂 das iPad ist nicht so scharf wie wir 🙂

Südafrikas Ballermann und Günters Bierfess’l

Der Sonnenbrand und wir machten uns heute morgen auf den Weg zu den Midlands. Auf Empfehlung einer Südafrikanerin, die wir in einem Hostel kennengelernt haben fuhren wir zunächst nach Hilton, um dort unsere Route zu starten. Kurzerhand suchten wir die Touristeninformation auf, die vollbesetzt mit zwei doch sehr stillen Afrikanern war. Informationen schienen sie nicht gern weiter zu geben. Somit schnappten wir uns die erstbeste (und einzige Karte) und studierten diese ausführlich bei einem Cappuccino. Der Vermerk „nicht maßstabgetreu“ hätte uns hellhörig werden lassen sollen. Tat er aber erst, als wir zum dritten mal die falsche Abzweigung nahmen, O-Ton Aline aka Columbus (sie hätte auch eher Amerika als Indien entdeckt…): hier sind wir jetzt aber richtig!

Die Midlands… Als eingetragenes Markenzeichen Südafrikas (kein Scheiß! Vielleicht trage ich nun auch das Brexbachtal im schönen Westerwald ein und lasse die Touristen in Scharen auflaufen…) hatten wir uns kulturelle Vielfalt gepaart mit einheimischer Handwerkskunst vorgestellt. Was bekamen wir? Die Lightversion einer Kaffeefahrt, mit etwa dem Charme der KarlMay-Festspiele in Bad Segeberg und einer Kulturvielfalt, die so viel mit Afrika zu tun hat wie der Ballermann mit Mallorca. Einzig ältere Herren in Adiletten und Tennissocken haben gefehlt… Jedoch gab es von der Schweizer Käsemanufaktur bis zu Günters Bierfess’l einfach alles. Herrlich, wären wir doch einfach an den Starnberger See gefahren… (Hätte mir viiiele Flugstunden erspart).
Aus lauter Frustration und einer gewissen Langeweile machten wir uns über viele Dinge unsere Gedanken. Während wir also über Apartheid, den Lebensstil und viele weitere Sachen philosophierten, kamen wir an einer Kuhherde vorbei. Die Frage, die sich natürlich aufdrängte: schwarz-weiß gefleckte Kühe… Was wäre mit denen während der Apartheit passiert? Zwei Hautfarben… Schwierige Frage…

Also zockelten wir mit unserem kleinen Elefantenturnschuh durch die Wälder. Und wurden sogar von einem 3er Golf aus den späten 80ern, der mit zwei Matratzen und einem Bettgestell auf dem Dach beladen war (alles gesichert durch ein Stück Zahnseide) überholt. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Vom 4. Gang (der fünfte geht nur Berg runter mit Rückenwind und Heimweh) in den dritten, dann in den zweiten, zogen wir mit 3km/h Unterschied an ihm vorbei. Freiheit, wir lieben dich! Und wie uns so der nicht vorhandene Fahrtwind wieder den Schweiß auf den Rücken trieb, denn dort ist auch furchtbar viel Sonnenbrand, ging es in Richtung Herberge für die Nacht.

Nur so viel dazu: wir hoffen, dass das an den Decken Stuckornamente sind, und sie nicht einfach den Schimmel übergepinselt haben… Aber es lässt sich alles ertragen, der GinTonic kostet 2,50€ pro Glas! 😉

In diesem Sinne, die Erkenntnis für heute: wenn wir Kultur-Ferne hätten haben wollen, wären wir an den Ballermann gefahren. Aber uns stört es nicht, solange unsere treuen Gefährten Gin und Tonic dabei sind.

Von der roten Meile an den Strand

Wolken und kräftiger Wind lassen sich eindeutig besser aushalten, wenn man dabei auf einem kuschligen Bettchen liegt und im Hintergrund die Meeresbrandung rauschen hört.

Aber von vorne… Nachdem wir gestern ordentlich über unsere Unterkunft gemeckert hatten und definitiv hin und wieder ein kleines Ekelchen unterdrücken mussten, hatte Babbah Eberz Mitleid mit uns. Nach einer unscheinbaren Frage nach unseren Plänen für den nächsten Tag kam fünf Minuten später eine Buchungsbestätigung für ein tolles Appartement in Ballito für die kommenden zwei Tage. Ganz schön starke Nummer!

Denn die Nacht war ein Knaller… Ein mildes gelächeltes „poor you“ unserer Nachbarn ein Zimmer weiter hätte uns schon stutzig werden lassen sollen… Der Ballermann ist sicher besser besucht, aber das Nebenzimmer war definitiv voller. In jeder Hinsicht… Was also machen? Auch trinken! Gleiches mit Gleichem bekämpfen. Blöd nur, wenn der Hotelbesitzer ein riesen HipHop-Fan ist und den kompletten Aufenthaltsbereich so laut beschallt, dass wir unseren Drink lieber in strömendem Regen auf dem Balkon nahmen – trotz Regen im Gesicht und viel Wind in den Ohren war Aline dort besser zu verstehen.
Und dann ab ins Bett. Wir hätten uns einfach hinlegen sollen… Unser Fehler: wir haben das Licht angemacht… Und sahen, dass die komplette Decke mit kleinen Flügelchen von irgendwelchen Fliegen bedeckt war. Unsere Vermutung: da hat jemand „sie liebt mich, sie liebt mich nicht“ mit den Armen Viechern gespielt hat. Und würden wir nun die Schranktür öffnen, würde uns ein Haufen Fliegen auf die Füße rutschen. Yummi, wir waren also satt und gingen ins Bett.
Die Partymeute, die zwischenzeitlich unterwegs war, kam dann auch irgendwann wieder. Hörte sich so an, als ob sie ne Polonaise quer über unser Laken machen würden. Obwohl, wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, hätte die restlichen Fliegenflügel runter gekehrt. Und dann stellten wir fest, dass das Hostel auch sehr zugig war. Unsere Zimmertür flog mehrmals in der Nacht krachend auf, trotz Schloss an der Tür. Wir standen jedes Mal senkrecht im Bett. Muss interessant ausgesehen haben…
Und um die Szenerie perfekt zu machen, hatten wir neben unserem einzigen Fenster eine zarte Leuchtreklame für „Adult World“. Flackerndes Licht für zwielichtige Werbebotschaften – wie passend…

Also haben wir heute morgen um sieben unsere Sachen gepackt, sind nach Ballito gefahren und haben bis zwei Uhr mittags in einem süßen Kaffee die Zeit totgeschlagen, bis wir in unser neues Domizil konnten.

Und da sind wir nun und genießen erst mal eine Runde das wunderbare Bett, bevor wir uns auf die Suche nach einem tollen Steak machen 🙂

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Erkenntnis des Tages: gut, dass wir im vorletzten Hostel einen Euro in die „Karma-Box“ geschmissen haben! Es kommt eben doch alles zu einem zurück 😉

Kühe, Kondome und Klopapier

So langsam haben wir uns angewöhnt zwischendurch alle Highlights auf einem kleinen Zettel fest zu halten, da so viele Kuriositäten uns zu überrollen scheinen, dass es abends nahezu unmöglich ist alles zu rekapitulieren. Blöd ist nur, wenn man diesen Zettel dann im Auto liegen lässt und abends im Hostel mit Sicherheitstür und Stacheldraht sitzt und nicht mehr zum Auto kommt. Irgendwie glauben wir zu wissen wie sich die Apartheit angefühlt hat oder zumindest wie sich Tiere im Zoo fühlen. Nicht dass wir wild wären, aber irgendwie doch weggesperrt und unter Beobachtung. Da unternimmt man eine Weltreise, um frei zu sein, aber es klappt noch nicht so ganz.

Genauso kontrastreich wie die Bewohner Südafrikas ist auch deren Benehmen. Von super freundlich und hilfsbereit bis pieschig und abwertend ist so ziemlich alles dabei.

Aber genug von der Ernsthaftigkeit, denn wir lachen uns eigentlich jeden Abend alles schön und kuscheln uns auf unser schmales Bett. Anmerkung der Redaktion: die Betten sind nicht nur recht schmal, sondern auch bei Weitem viel kürzer als in Deutschland. Für Ina also passend und ich ziehe einfach etwas die Beine ein.

Okay, dann versuchen wir uns jetzt mal ohne Zettel an die vergangenen Tage zu erinnern… Donnerstag früh machten wir uns auf den Weg vom Krüger Park zur Küste und ließen unser Navi die beste Route suchen. 450km standen auf der Uhr und somit knapp sieben Stunden Fahrt. Kurz nach der Abfahrt landeten wir an der Grenze von Swasiland und durchliefen eine recht unkoordinierte Grenzkontrolle. Zwei Stempel und 20 Minuten später betraten wir swasiländischen Boden. An der Grenze erzählte man uns vorher aber noch stolz vom König und das wir unbedingt bleiben sollten. Nein, wir wollten nur durchfahren. Eine weitere „Grenzerfahrung“ war auch die Verteilung kostenloser Präservative. Beachte man, dass 30% der Bewohner Swasilands HIV positiv sind, auf jeden Fall wirksamer als eine Tüte Haribo zu verschenken. Unser Reiseführer klärte uns weiter auf: der König hat 13 Frauen. Das sind also umgerechnet 520 Kühe. Des Weiteren schwärmte der Reiseführer vom sehr gut ausgebauten Straßennetz. Ja, dem können wir nichts entgegnen. Genauso gut ausgebaut sind aber auch die Schlaglöcher. Und hätten wir nicht Angst gehabt anzuhalten, dann hätten wir uns gern für ein Foto mal in eins reingelegt. Irgendwann passierten wir die Grenze nach Südafrika und fuhren noch ein paar Kilometer zu unserer völlig überteuerten Unterkunft in Santa Lucia. Feucht war hier nicht nur die Meeresluft, sondern auch das Zimmer – samt Laken und Klopapier. aber hey,so spart man teure Feuchttücher! Wir waren uns einig: legt man einfach nen Kamillen-Teebeutel daneben… Am nächsten morgen hätten wir perfektes „Charmin“ Klopapier.
Am nächsten Tag verließen wir recht früh diesen von Schwaben überlaufenen Ort und fuhren an der Küste weiter. Dann zu unserer Linken „oooh aaah guck mal!! Der indische Ozean!!“ Das erste positive WOW-Erlebnis. Wir hielten in Ballito (einem sauberen und wunderschönen kleine Ort), tranken einen Kaffee und fuhren weiter nach Durban. Dort checkten wir in ein Surferhostel ein und legten uns das erste mal an den Strand. Ina traute sich sogar ins Wasser (ich glaube, sie musste einfach aufs Klo…)
Braai, ein anderes Wort für BBQ wird hier groß geschrieben. Feuerschutz nicht so. Unser Nachbar fackelte fast die Holzhütte ab und wir genossen den Blick durch Rauchschwaden auf den Ozean. Kein Wunder, wenn man die komplette Packung Grillanzünder samt Plastikverpackung einfach AUF das Holz schmeißt… Achja, wir sind heute morgen vom Wecker der Person in der Hütte neben uns aufgewacht. Und das nicht, weil deren Wecker so laut war… Aber wenn man bei einem Nießer nebenan dem „Genossen“ Gesundheit wünschen kann, lässt das auf recht dünne Wände schließen…

Südafrika, das Land des stetigen Wandels. So fuhren wir heute nach einem Strandaufenthalt weiter nach Pietermaritzburg, um dort in ein süßes Hostel ein zu checken, allerdings gab es dieses leider nicht mehr. Nützt ja nix. Kurzerhand zurück nach Durban.

Downtown Durban, zarte Plastiktüten, die mit dem Windhauch die Straße entlang getrieben werden, oft auf ihrem Weg durch die ein oder andere Flasche gestoppt. Zum zarten Rauschen gesellt sich ein leichter, penetranter Geruch von Müll und Abgasen. Der Smog taucht die Stadt in ein zartes grau, der geneigte Besucher wird interessiert beäugt und fühlt sich wie eine Brieftasche auf zwei Beinen. Kurzum, hier sieht es aus wie nach der LoveParade.
Kann man machen, muss man nicht.
Unser Hostel? Naja, Klobrillen werden überschätzt, Kondome gibt’s hier auch gratis. Macht auch Sinn, in der Etage unter uns ist ein Eskort-Service mit angrenzendem Stundenhotel. Duschvorhänge sehen mit einem schwarzen Schleier vom Pilzbefall auch einfach viel netter aus (irgendwie blumig). Aber es gibt Gin. Und der ist günstig.

Erkenntnis der letzten Tage: PROST!

Busch-Couture

Man glaubt es kaum, aber es ist gerade 8 Uhr und wir sind bereits seit gut vier Stunden auf den Beinen. Und wenn wir Beine sagen, dann meinen wir das auch. Um halb vier klingelte der Wecker und wir warfen uns in Busch-Schale. Die Wanderstiefel wurden geschnürt, die Cargohose noch mal glatt gestrichen und das NOBITE ins Gesicht geschmiert. Dann ging es auch schon fast los. Mit Rasta und Hermann, unseren Guides verließen wir das Camp und machten uns auf den Weg in den Busch. Vorbei an Impalas und Elefantenhaufen fuhren wir zunächst mit einem Safaritruck über Stock und Stein bis wir tief genug im Busch waren, um den weiteren Weg zu Fuß quer durchs Gestrüpp hinter uns zu bringen. Gern hätten wir noch einen Übersetzer mitgenommen, denn afrikanisches Englisch versteht man schlecht, wenn der Gegenüber kaum die Lippen bewegt. Zähne auseinander machen zum Sprechen? Ach was, nicht morgens um halb fünf. Rasta machte in wenigen Schritten sein Gewehr bereit während Hermann so aussah, als hätte er eben noch den letzten Joint an der Schuhsohle ausgedrückt.

Im Gänsemarsch oder in afrikanischer Tradition wohl eher im Ground-Hornbill-Marsch, schlichen wir durch das Savannengras. Kurz darauf stießen wir auf Leopardenkacke, allerdings hing kein Leopard mehr dran. Rasta versicherte uns aber, dass es noch ganz frisch war und so realisierten wir das erste mal, dass wir tatsächlich mitten in der Wildnis waren und jeden Moment ein Leopard um die Ecke kommen könnte, um uns eben um selbige zu bringen. Sprechen durften wir allerdings nicht und so verständigten wir uns nur mit Fingerschnippsen oder gegen das Hosenbein schlagend. Als wir an ein paar niedergetrampelte Roundleavetrees kamen erklärten die beiden, dass diese Bäume ein bestimmtes Sekret ausstoßen, wenn zu viele Blätter auf einmal gegessen werden. Die Bäume pupsen also, um andere Bäume zu warnen. Was das bringt ist uns aber noch nicht so ganz aufgegangen, da sie ja nicht einfach das Weite suchen können. Obwohl die Vorstellung, dass sie einfach die Wurzeln raffen und ein paar Schritte zur Seite machen schon recht amüsant erscheint. Jedenfalls sind diese Ausdünstungen der Grund weshalb Giraffen immer gegen den Wind laufen und dann fressen.

Nach eineinhalb Stunden machten wir eine kurze Frühstückspause auf ein paar Felsen und stärkten uns. Kurz bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen wollten wies uns Hermann noch mal darauf hin weiter vorsichtig und achtsam zu sein, da noch nicht alle im Busch Frühstück hatten. Rasta wollte unseren Überlebensinstinkt testen und fragte wo wir lang laufen müssten, um zurück zum Wagen zu kommen. Und so bekam Ina ihren afrikanischen Namen… Und wird von nun an nur noch Kompass genannt. Wenn man das ausspricht muss man davor und danach jeweils zwei mal mit der Zunge schnalzen.

Erkenntnis des morgens: in Afrika gibt es viele Migranten, die meisten allerdings tierischer Natur im Krüger Nationalpark. Wespen, die Spinnen jagen, um ihre Eier in der lebenden Spinne abzulegen, damit die Larven quasi fastfood zum Mitnehmen haben. Nashörner haben ihr eigenes Klo und kacken immer nur in ein bestimmtes Loch. Bis vor 50 Jahren wohnten noch Menschen zwischen den wilden Tieren und wenn man mit einem bewaffneten Ranger durch den Park stapft, dann fühlt man sich irgendwie ziemlich klein.

Die Big Five

Googled man „Big Five“‚ wird man wohl Treffer über Löwen, Nashörner und Co. bekommen. Aber weit gefehlt… Bei unserer Einfahrt in den Krüger Park (auch beim Wachpersonal ist das Handy mit integriertem Musiklautsprecher ganz vorne dabei. Ist aber hier ebenso sexy wie bei halbstarken Jugendlichen am Wandsbek Markt in Hamburg…) wurden wir durch mehrere Tafeln auf die Big Five aufmerksam gemacht. Jedoch keine Vierbeiner, sondern die Mülltrennung steht hier im Vordergrund. So sind die Big Five hier „glass“, „plastic“, „metals“, „cardboard“ and „paper“. Also konnten wir es kaum erwarteten, eine Herde junger Dosen durchs Unterholz springen zu sehen oder Metall und Plastik vereint am Wasserloch beim Stillen ihres mittäglichen Durstes zu beobachten. Okay, Scherz beiseite, macht ja Sinn, die Umwelt im Auge zu behalten.

Aber wir wollten ja Tiere sehen! Und welches war das erste wundervoll anmutende Tier, was wir sahen?? Ein Warzenschwein! Mit einem lockeren „hakuna matata“ à la Junglebuch auf den Lippen machten wir uns also auf den Weg durch den Park.

Und dann ging’s richtig rund. Vom ersten Elefanten, der zwei Meter neben unserem Auto am Straßenrand stand, noch vollkommen überwältig, folgte ein Tier auf das nächste. Zebras, irgendwelche Tiere, von denen wir glauben, es sind Impalas und viele weitere. (Da wir nicht wussten, ob es wirklich Impalas sind, haben wir sie einfach „Krügerpark-Rehe“ getauft… Denn die sind uns, ebenso wie ihre heimischen Artgenossen, noch öfter über den Weg gelaufen). Hippos im Wasserloch, die ihren zarten Hintern vor der Sonne im kühlen Nass zu verstecken versuchten (es erinnerte mich an meinen Papa, ich kann mir einfach nicht erklären, wieso…) oder Affen-Jungtiere, die sich am Bauch der Mama durch die Gegend tragen ließen. Und eine Elefantenherde, deren Junges scheinbar die Konsistenz der Asphaltstraße derart anziehend fand, dass es sich erst einmal genüsslich darauf wälzte, während der komplette Verkehr für zehn Minuten zum Erliegen kam. Wir hatten vorsorglich den Rückwärtsgang eingelegt, da wir prompt vergessen hatten, ob Ohren wackeln Angriff oder Frieden hieß. Daher fuhren wir lieber auf Nummer sicher und legten einige Meter im Rückwärtsgang zurück, da Familie Elefant weder etwas von Links- noch von Rechtsverkehr verstand und lieber auf beiden Spuren uns entgegen kam.

Dann kamen wir an einen kleinen Berg, auf dessen Anhöhe sich prima Fotos machen ließen. Also drückten wir unseren rollenden Elefantenturnschuh in den ersten Gang und zockelten den Berg hinauf. Hier gab es jedoch noch Schlaglöcher, die noch kein Elefant zugeka*** hatte… Die Nase unseres kleinen weißen Flitzers kam beim Überqueren oft dem Boden recht nahe, der Abgrund dabei zu unserer Rechten und ein steiler Pass hinab. Also mussten wir dadurch, vielmehr, da hoch. Aline am Steuer, sonst sämtlicher Weltreligionen eher fern, schickte ein Stoßgebet nach dem anderen zum Himmel, vermischt mit Flüchen, die jede Nonne rot werden lassen würde, und Schweißausbrüchen, die eine anschließende erhöhte Flüssigkeitszufuhr nach sich zogen. Und ganz ehrlich, soooo schlimm war’s nicht 😉 ein bisschen Vertrauen ins Material (ooooke, wir fahren nen Kia Picanto…) und ins eigene Können (und hey, den Hamburg Stadtverkehr überleben wir ja auch…), dann läuft das.
Oben angekommen gab’s erst mal Fotos mit Selbstauslöser. Wir hatten so einen riesen Spaß beim hin- und her gerenne, dass wir für die oben stehenden Touris bald mehr Attraktion waren als die Aussicht.

Wieder unten angekommen, ging’s dann in Richtung Camp. Und weil wir recht spät mit unserer Buchung waren, waren die Sparangebote auch schon weg. Also wurde es die Hütte mit drei Betten (wir brauchen eigentlich eines, gehen aber hier immer als „hetero“ durch, also brauchen wir zwei. Als ob uns das wer glaubt…). Und es war eine super Entscheidung! Eine eigene kleine Hütte, aus Backsteinen gebaut, mit eigener Dusche und Kochecke, ein Knaller! Zur Feier der Tages gab’s Rührei mit Tomaten, vollkommen ohne Gewürze (wer denkt denn an sowas beim Packen???), aber mit Vollkorntoast!
Und gleich geht’s ins Bettchen, denn um halb vier klingelt unser Wecker zur morgendlichen Buschwanderung. Wenn uns kein Löwe annagt, gibt’s auch abends einen Bericht 😉

20121120-193800.jpgErkenntnis des Tages: Elefanten machen riesen Haufen und stinken wie nasser Hund auf einem Kompost. Ein Selbstauslöser ist eine toller Erfindung, vor allem zur Touristenbelustigung.

Besser geht’s nicht, wenn man es mit dem iPad von der Kamera abfotografiert 😉
Aber bessere folgen (wenn wir besseres Internet haben…)

Please hold the lion

Mittlerweile sind wir schon recht firm was die afrikanische Fahrweise und somit auch den Linksverkehr betrifft, denn nach unserer erlebnisreichen Übernachtung in Nelspruit, wo wir zwei Südafrikaner kennen gelernt haben, die uns permanent Rum einflößen wollten und uns dann mit einer riesen Margaritha-Pizza für sage und schreibe 5 Euro (inkl. Trinkgeld versteht sich) den Abend gerettet haben, machten wir uns auf den Weg zur Panorama Route, die mit kleinen Schildern ausgewiesen war. Mutig, wie es sich für den gemeinen Backpacker gehört, verzichteten wir also auf das Navi und fuhren prompt erstmal 70km in die falsche Richtung. Hierbei sollte aber erwähnt werden, dass wir uns bei der einzigen Abbiegemöglichkeit für die falsche Abzweigung entschieden haben. Die Chancen standen an sich schon von vorn herein sehr schlecht, wenn man unseren Orientierungssinn betrachtet. Nun denn, irgendwie schafften wir es doch noch zu God’s Window und World’s End wo wir das eine oder andere schöne Foto machten.

Wenn wir vorher schon kurz vor dem Nervenzusammenbruch standen, dann konnten wir dies auf der Fahrt nun noch toppen. Wir mussten nicht nur von einem Schlagloch zum anderen springen, sondern auch steile Hänge nach oben und unten fahren was unserem kleinen Elefantenrollschuh nicht ganz so gefiel. Im 2. Gang ließ es sich aber aushalten und so tuckerten wir die Straße entlang. Hinter uns stauten sich mehrere Autos, die mich hin und wieder etwas nervös machten. Aber Ina beruhigte mich stets mit dem Kommentar „lass sie sich doch schwarz ärg.. Oh äh lass sie einfach.“ Hin und wieder musste ich aber auch Ina beruhigen, die stets von leichten Schweißausbrüchen geplagt wurde, wenn ich mal wieder zu dicht am Abhang fuhr, was natürlich nur dem komischen Linksverkehr geschuldet war.

Gegen späten Mittag trafen wir dann in Hoedspruit (hier klingt alles sehr afrikanisch…) ein und gönnten uns wieder ein afrikanisches Mittagessen: ein Burger und Pommes – vom Lammcurry hatten wir vorerst genug. Kurzerhand entschieden wir, dass es Zeit war nach einer Bleibe zu suchen und riefen bei einer Waliserin an, die bis dato die einzige war, die wir ohne Probleme am Telefon verstanden. Ein Zimmer war noch frei und so machten wir uns erneut auf den Weg, um die Blyde Canyon Lodge zu finden. Von Adressen hielten weder Afrikaner noch unser Reiseführer etwas und so fuhren wir, diesmal in die richtige Richtung und landeten nach einigen Kilometern in unserer auserwählten Lodge. Empfangen wurden wir von mehreren Hunden, Katzen, einem Esel und unserem persönlichen Highlight: einem kleinen schwarzen Minischwein. Die Hostelmama (mit einem Dekolleté, welches dem Grand Canyon Konkurrenz machen würde, naja, oder eher dessen Wasserfällen) führte uns zu unserer kleinen Hütte im Garten, nachdem sie uns in klangvollem englisch von den Sehenswürdigkeiten in der Gegend erzählte. Später am Abend setzten wir uns auf die Veranda der Rezeption und skypten zunächst mit Inas Eltern. Danach war dann meine Sippe dran. Eine knappe halbe Stunde erklärte ich meiner Mutter per SMS wie sie meinen Mac bedienen und Skype einschalten sollte und es klappte. Kurz darauf war die gesamte Familie Kunze vor dem Computer versammelt: Seniorsenior bis Juniorjunior und alle wollten Tante Aline sehen. Nach dem aufregenden Videoanruf sagten wir noch dem Esel, der mittlerweile neben unserer Hütte graste, gute Nacht und machten es uns auf der Pritsche gemütlich.

Wie immer ging es am nächsten früh aus den Federn, denn wir wollten zu unserem ersten Highlight des Tages – dem Moholoholo Rehabilitation Centre. Dort angekommen sahen wir schon vom Parkplatz aus das erste Rhino und gesellten uns zu Trekkingsandalenträgern mit der Spiegelreflex um den Hals. Kurz darauf stieß Oscar zu uns – unser persönlicher Ranger für den Vormittag. Er erzählte uns etwas über das Centre und wie sie die Tiere, die durch verschiede Fallen fast ums Leben gekommen, waren wieder aufpäppelten, um sie dann wieder in die freie Wildbahn zu entlassen. Nach der Theorie kam die Praxis und wir zu einem Cheetah (ein Gepard namens Bullet), den wir nicht nur fotografieren, sondern auch anfassen durften. Ein Streichelzoo für Große sozusagen. Aber bitte nur am Hintern und am Schwanz, den am Kopf sind die Zähne und da möchte man nicht streicheln. Und so wanderten wir durch das Gelände und lauschten aufmerksam den Schicksalen der Tiere, fütterten Geier und ließen uns von einem Hornvogel „Geschenke“ machen, da er uns als „Freiwild“ sah und mit uns eine Lebenspartnerschaft eingehen wollte.
Der kuschelige Löwe, der einen halben Meter von uns entfernt stand, mochte übrigens gerne Finger. Unser Ranger riet uns also breit grinsend, diese vom Hochspannungszaun fernzuhalten.
Zum Schluss durften wir noch ein paar Fotos mit einem zarten 300kg Babyrhino machen und führen wieder zurück zu unserer Hütte, wo wir gemütlich den restlichen Tag verbrachten.

Fazit des Tages: Geparden sind keine Hauskatzen – stinken fieser als nasser Hund und das Fell macht jedem Stachelschwein Konkurrenz. Motten müsste man mit zwei Händen erwürgen und der kleine Hostel-Hund begattet mit Vorliebe die Katze. Und wenn etwas Grünes in der Dusche liegt, ist es selten die Seife, sondern meist ein „spannender“ Frosch (wir könnten schwören, wir haben ihn schon grinsen gesehen…)

Den Blinker, nicht den Scheibenwischer!

Erinnert ihr euch an eure erste Fahrstunde? Die allererste? Die, bevor man mit Papa auf dem Feld geübt hat? (rein hypothetisch natürlich, sowas haben wir nieeeee gemacht…).
Ein nervöses Lächeln, mit totaler Coolness überspielt, schweißnasse Hände (natürlich nur, weil es einfach tierisch warm ist…) und ein eindeutig beschleunigter Herzschlag (schließlich sitzt die Angebetete neben mir… 😉
Ja, so fühlt es sich an, wenn man das erste Mal auf der rechten Seite des Autos hinter dem Lenker sitzt und auf der linken Seite der Straße fahren muss. Wir haben schon extra einen Autoverleih ein wenig außerhalb genommen, um nicht zu Anfang gleich durch die ganze Stadt fahren zu müssen – und hatten den tollsten Taxifahrer der Welt, der nicht nur nen echt fairen Preis genommen hat, sondern uns scheinbar mal wieder verängstigt aussendende Mädels (man, wir sind COOL, nicht ängstlich!) bis zum Verleih gebracht hat.

Nun also auf diese furchtbaren Straßen… Ein Auto mit einem Kupplungs-Schleifpunkt i Madagaskar, wahrscheinlich die PS-Zahl von Omas AOK-Schopper und das am Gas hängt wie mein erstes Bobby-Car – Dreams came true…
Aus dem Parkhaus raus, stürzten wir uns ins Abenteuer. „Augen zu und durch“ traf es ganz gut… Wenn wir uns an einer Ampel an den Vordermann hingen, um nicht den Anschluss zu verlieren (merke, immer wem hinterher fahren, die wissen, wie man wieder auf „die falsche Seite“ kommt), kam der Gegenverkehr hin und wieder ziemlich nah. Und getreu nach dem Kinder-Motto „wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht“, haben wir hin und wieder einfach die Augen geschlossen und aufs Gas getreten. Naja, ich hab aufs Gas getreten, Aline hat die Augen noch ein wenig fester geschlossen…
Und dann die Sache mit dem Abbiegen… Freunde, der Blinker ist auf der falschen Seite! Da, wo der gemeine Europäer das Ding vermutet, ist der Scheibenwischer! Ich glaube, das arme Scheibenwischermotorchen musste noch nie im Leben so viel arbeiten wie heute… Schwungvoll wie normalerweise den Blinker, wurde also ständig der Scheibenwischer gesetzt. Dass die Dinger nicht irgendwann ihren Dienst quittiert haben und dem Hintermann auf die Scheiben geflogen sind, grenzt eigentlich an ein Wunder… Obwohl, hätten sie verdient, die hupen nämlich alle ständig… (Könnte wohl am Fahrstil liegen…).

Nun sind wir in Pretoria und machen uns morgen auf nach Nelspruit, um in die Nähe vom Krügerpark zu kommen. Wollten wir eigentlich heute, da aber gestern das Lammcurry uns die ganze Nacht lang lustige Geschichten erzählt hat, wollten wir heute dann doch keine fünf Stunden Auto fahren…

Achja, der Weg nach Pretoria… Erst mal piept unser Auto ständig! Von Terrorwarnungen und Nazibedrohungen vollkommen verunsichert (man weiß ja nie, welche Kulturen die braunen Schmalspur-Glatzköpfe noch so infiltrieren), dachten wir an die Kofferraumbombe. Kommt, von der Kofferbombe zur Kofferraumbombe isses nicht so weit. Okay, genug Blödsinn… War nur das komische Mautsystem der Autobahn. Irgendwie wirft man hier keine Münze ins Becherchen und fährt dann durch eine Schranke, sondern das geht über irgend ein System im Auto – jedenfalls glauben wir das. Sonst sind wir eben ab morgen die meist gesuchten deutschen Maut-Zechenpreller Südafrikas!

Und unser Karma-Highlight! Kurz vor Pretoria quittiert unser Navi den Dienst. Kein Strom, weil der blöden Zigarettenanzünder nicht funktioniert. Wir haben also keine Ahnung, wohin wir müssen. Alines Augen weiten sich erst auf Sailormoon-Größe (ihr wisst, diese komische Manga-Serie… Gab’s in meiner Kindheit, habe ich immer heimlich geschaut, wenn Muddi aus dem Haus war). Dann kam Panik. Oh Gott, fast verloren, kein Weg zurück, keine Ahnung, wohin vorwärts. (Ich möchte nochmal betonen,wir sind in der Hauptstadt Südafrikas. Stimmt, da gibt’s keine Tankstellen, keine Menschen, kein nichts. Der kleine Kentucky Fried Chicken zu unserer Rechten wurde ignoriert.)
Aber, gutes Karma! Wir kamen DIREKT an einem Kia-Autohaus vorbei. Für den unfassbar hilfsbereiten Kia-Mitarbeiter waren das drei Handgriffe, und das Ding lief!

Fazit das Tages: das Auto hatte sicher noch nie saubere Scheiben und Fliegen knacken wie ein Stück trockener Ast, wenn sie in so ein elektrisches Fliegenfangdings fliegen. Diese Idioten…

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