Archiv für den Monat Februar 2013

Unter dem Meer…

Marcels Sterneküche aus der Packung erheiterte unseren Abend und füllte unseren Bauch. Das Hühnchen hatte er bereits mariniert gekauft und die Pasta wurde kurzerhand aus der Chinabox gezogen. Geschmeckt hat es aber trotzdem. Mit vollen Bäuchen gingen wir spät ins Bett und wachten morgens mit einem platten Reifen auf. Dieser hatte uns ja bereits zuvor ein paar Sorgenfalten auf die Stirn gezeichnet. Also klopften wir IMG_1430an Marcels Zelt und holten uns die Reifenpumpe (von der Angel bis zur Solarzelle hat er einfach alles). Wir schleppten unseren Van zurück in die Zivilisation und sahen auf dem Weg nach Whyalla unsere ersten lebenden Kängurus. Bis dato hatten alle anderen tief und fest am Straßenrand geschlafen. (Anmerkung der Redaktion: wusste nicht, dass Kängurus auch Winterschlaf machen, und das im Sommer?!). In Whyalla ließen wir vom australischen ADAC den Reifen wechseln und begaben uns auf den Weg nach Adelaide.
Die Adelaide Hills wurden schnell als konkretes Ziel ausgesucht, denn hier wurden, wie auch überall sonst, Weinverkostungen angeboten. Allerdings zusammen mit Schokoladenverkostung. Besser geht’s ja fast gar nicht! Und so genossen wir Valrhona Schokolade und verschiedene „Traubensäfte“ während wir den Blick über das Weingut schweifen ließen.
Voller Glückshormone und etwas beschwipst schlenderten wir im Anschluss noch durch Little Germany, bekannt unter dem Namen Hahndorf und ließen uns den Sauerkrautduft um die Nase wehen. Da kam doch kurz ein bisschen Heimweh auf, auch wenn wir weit ab vom gemeinen stereotypen Sauerkrautesser wohnen.
Und so verabschiedeten wir uns in die letzte Nacht in South Australia, denn morgen brechen wir Richtung Great Ocean Road und somit Victoria auf.

IMG_1254Neuer Tag, neues Glück oder so. Die Great Ocean Road machte ihrem Namen alle Ehre, denn sie war sowohl groß(artig) als auch eine Straße und „Ocean“ gab’s gefühlt von allen Seiten und im Überfluss. Vorbei an Klippen und wilden Gesteinsformationen schlängelten wir uns an der Küste entlang. Ina hielt nach Koalas Ausschau, die wir in den unzähligen Eukalyptusbäumen am Straßenrand vermuteten und ich versuchte immer schneller als die Schulbusse mit asiatischen Hobbyfotografen mit der Spiegelreflex zu sein, die Dank ihrer massiven Teleobjektive aber meistens eh rückwärts den Berg wieder runter rutschten. Zwischen einem der vielen Sehenswürdigkeiten, die von der Natur erschaffen wurden erspähte ich den ersten (und wie sie herausstellen sollte, den einzigen) „wilden“ Koala, der ähnlich wie die von uns gesichteten Kängurus, tief und fest zu schlafen schien. Das ist bei Koalas ja aber nicht verwunderlich, da sie durch die ätherischen Öle aus den Eukalyptusblättern, die sie ausschließlich fressen, den ganzen Tag high sind und deswegen ca. 19 Stunden am Tag schlafen. Dieser kleine Geselle war aber irgendwie anders, denn er umarmte ganz fest die Straße auf der er lag. Nun denn, wir fuhren weiter und landeten 20130222-205648.jpgirgendwann in Johanna wo wir direkt am Strand und unter den Sternen schliefen. Am nächsten morgen wurde20130222-205721.jpg ich von meiner romantischen Ader geweckt und stampfte Personenhohe Buchstaben in den Strandsand. Diese zeigte ich dann voller stolz Ina von einem kleinen Ausguck, den ich vorher ausgemacht hatte. Leider konnte man nicht mal erahnen was dort stand. Daher machten wir unfreiwillig einen kleinen Strandspaziergang und brachen danach Richtung Apollo Bay auf. Hier warteten Seesterne und Stachelrochen auf uns. Die einen klein und süß, die anderen elegant, aber mit knapp 2 Meter Spannweite!

Von dort zog es uns dann recht schnell weiter Richtung Torquay und somit ans Ende der Great 20130222-205949.jpgOcean Road. Noch längst nicht das Ende unseres Roadtrips beschlossen wir in Torquay zu bleiben. Ina buchte für den nächsten Tag einen Surfkurs und ich kaufte mir kurzerhand eine Angel und den passenden Angelschein. Abends musste Ina sich mit einem Buch bewaffnet neben mich auf den Steg setzen während ich einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser zog und somit die gesamte Anglergemeinde unter den Fluss angelte. Meinen großen Fang schenkte ich großzügig den älteren Herren, die von ihren Frauen geschickt wurden, um etwas für das abendliche Grillen zu fangen und die kleinen Fische durfte Ina wieder ins Wasser setzen.

Wenn die eigene Frau morgens um kurz nach neun in einem hautengen Wetsuit vor einem steht, dann kann man ohne weiteres darüber hinwegsehen, dass es quasi noch mitten in der Nacht ist. Und saß ich zwei Stunden breit grinsend am Strand währendIMG_1707 Ina ihre ersten Gehversuche auf dem Surfbrett machte und hielt von der Trockenübung bis zum ersten Stehen alles brav auf der Kamera fest. Lässig saß sie auf dem Brett während links und rechts ein Surfer nach dem anderen ihr zur Hand bzw. zum Board gehen wollten. Einige Videoaufnahmen und 94 Fotos später kam sie wieder an Land und freute sich über die Wellen, die sie gestanden hatte. Da Surfen für mich fern von allen Sportarten ist, die ich für mich passend finde, und Ina vom Angeln jedesmal Narkolepsie bekommt, entschlossen wir uns nach einer Sportart zu suchen, die uns beiden gefiel und die wir auch nach unserer Reise fortführen könnten. Ohne viel Überlegung kamen wir auf’s kiten und machten uns einen Tag später auf den Weg Richtung Melbourne, um unseren Plan in die Tat umzusetzen.

Erkenntnis des Tages: wir werden immer schreibfauler, aber geloben feierlich Besserung! 😉

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Kugelmenschen

Da gibt es die Geschichte des Mannes, dessen Frau stirbt. Ihr war dies bewusst, viele Ärzte hatten bereits den Countdown des Unvermeidlichen eingeläutet.
Am Krankenbett gab sie ihrem Mann eine Liste. Eine Liste mit 365 Dingen. Eine Tat für jeden Tag, eine Aufgabe alle 24 Stunden.
Die Liste begann mit dem Folgetag ihres Todes. Von Dingen wie „schreibe einen Brief an deinen besten Freund Herbert und erzähl ihm den besten Witz, den du kennst, bis „fahr nach München und iss eine Brezel“ war alles vertreten. Der letzte Tag dieser Liste enthielt die Aufforderung, ihre sämtlichen Sachen zu verbrennen und wieder geradeaus in die Ferne zu blicken.

Eine andere Geschichte handelt von einem Mann, der seiner Frau jedes Jahr zum Valentinstag einen Strauß Rosen schenkt, immer mit einer Karte und den Zeilen „meine Liebe wächst“. Nach seinem Tod vergaß die Frau diese Geste. Bis zum Valentinstag, als ein Blumenbote mit einem Strauß Rosen vor der Tür stand. Als sie ihn für diesen vermeintlich rüden Scherz anschreien wollte, teilte dieser ihr mit, dass ihr Mann bereits für viele Jahre im voraus den Lieferdienst bezahlt hatte. Sie schaute auf die Karte, sie trug die Worte „meine Liebe ist unendlich“.

Und dann gibt es dort diese dritte Geschichte. Wieder von einem Mann und einer Frau. Eine normale Ehe. Ein riesiger Blumenstrauß zum Hochzeitstag, eine Überraschungsparty zum 40. Geburtstag. Kleine Neckereien hier, kleine Streitereien dort. Er schlägt gerne mal über die Strenge, so wohl mit Worten, als auch beim Essen. Sie bringt ihn durch ihr charmantes Chaos gerne mal zur Weißglut.
Aber er ist da, wenn es ernst wird. Er ist da, als sie krank wurde, und er ist da, als sie Genesung feiern konnten. Und auch heute noch steht er dort. Immer bereit, ein wenig zu viel kontrollieren zu wollen, aber dabei so voller Liebe, dass ihn die Familie so gut es geht gewähren lässt.

Warum solche Worte auf unserer Seite?

Weil das letzte Paar meine Eltern sind. Von ihnen habe ich nicht nur Geld mit auf die Reise bekommen. Sondern das Bild von zwei Menschen, die immer noch beieinander stehen. Füreinander, miteinander.
Und sollte ich mein Leben mit Aline so zu meistern in der Lage sein, können wir uns glücklich schätzen.

Danke!
Ich freue mich drauf!

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