Archiv für den Monat September 2012

Dr. Sommer

Three down. Three more to go! Heute hatten wir wieder das Vergnügen die morgendlichen Stunden mit Dr. Sommer zu verbringen. So alt wie die Bravo scheint auch unser Tropenarzt zu sein. Und jedes mal, wenn wir auf der Pritsche sitzen und todesmutig der Spritze entgegen springen, dann könnte man meinen, dass wir nicht wirklich älter als der gemeingefährliche Bravo-Leser sind. Die Geschmeidigkeit mit der er im Schleichschritt zu seinem Medikamentenbeitisch geht ist so grazil wie die einer sibirischen Breitarschantilope. Die schwungvoll dahingekritzelten Hieroglyphen, die er jedes Mal in unsere Karteikarte malt, spiegeln seine jahrelange Erfahrung wider und sind bei jedem Folgebesuch ein wahres Highlight, da er sie selbst nicht entziffern kann – wir fühlen uns gut aufgehoben und kompetent beraten.

Mit über 600 Euro, die wir bereits der Pharmaindustrie und dem Gefolge von Dr. Sommer gespendet haben fühlen wir uns befreiter, irgendwie leichter eben. Dafür haben wir aber auch schon einiges bekommen – 5 Spritzen mit Millionen Kulturen und ganze 24 Film-Tabletten mit denen wir die Moskitos auf Madagaskar zielsicher bewerfen können. Eigentlich gar kein schlechter Deal, wenn ihr mich fragt.

Und so fiebern wir schon den nächsten Terminen mit unserem Lieblingsfacharzt für Tropenmedizin entgegen und unterdrücken stets den Drang einen fachlich korrekten und nahezu überschwänglichen Eintrag auf Qype zu veröffentlichen, damit noch mehr Reisende in den Genuss von Malerone, Rabipur und natürlich Dr. Sommer kommen.

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Da fiel die Tür ins Schloss

Da kam er nun, der eine Tag. Der an dem ich meinen Wohnungsschlüssel aus der Hand gab und meine eigenen vier Wände verließ. Seit Wochen habe ich schon meine neuen Untermieter auf dem Papier stehen, aber gestern wurde es dann ernst und das Protokoll hielt alles fest. „Hier entlang. Bitte, tretet ein und fühlt euch wie zu Hause.“ Mit ein paar kleinen Handgriffen waren Klingel- und Briefkastenschild ausgetauscht und ein weiterer Abschnitt beendet. „Auf Wiedersehen. Gehabt euch wohl. Tschüss geliebtes Heim. Wir sehen uns im nächsten Jahr.“

Ein erneuter Haken auf der endlos langen Liste. Ein großer Haken, dennoch schwungvoll gezogen. Und der Stift ist bereit, um weitere Haken zu schlagen, Sachen zu streichen und weitere hinzuzufügen. Nun sind es nur noch Wochen, keine Monate mehr und noch einiges steht auf dem Plan. Die erste von zwei Wohnungen ist leer, die zweite noch immer unser zu Hause. Und so packe ich meine vier Wände in die Tasche, nehme mein zu Hause an der Hand, um mit ihr die Welt zu bereisen und Farbe an neue Wände zu malen.

6,5 Monate im Rucksackformat

„If you’re not shaking, you need another cup of coffee“… einer meiner Lieblingssätze, denn Kaffee geht immer, überall und zu jeder Tages- und fast jeder Nachtzeit (würde er kalt schmecken, hätte ich wahrscheinlich nachts eine Tasse am Bett stehen und würde zwischen zwei Schnarchern (natürlich nur, wenn ich Schnupfen habe und auf dem Rücken liege) nochmal kurz ein Schlückchen nehmen. Naja, dieser kleine Einblick hat jetzt auch nur semi-viel mit dem zu tun, was ich erzählen wollte, es fiel mir nur gerade ein, weil ich am Montag morgen schon wieder viel zu viel von der köstlichen Bohne genascht habe…

Also, zurück zum Rucksack… Nun begab es sich, dass uns am Wochenende meine zauberhafte Familie (leider ohne Bruderherz) inklusive Tante und Onkel (yes, wenn, dann machen wir das auch richtig…) besucht hat. Und dieses Mal stand neben dem obligatorischen Shopping-Marathon noch der Kauf einiger Reiseutensilien an. Also, nix wie hin am Freitag morgen zum beliebten dreistöckigen Outdoorladen in Barmbek, in dem ich mich mittlerweile besser auskenne als der Ladendetektiv oder die Berater aus der Schuhabteilung (denn die sehen einfach nix von dem Laden außer ihren schnuckeligen Schuhbereich). Im ersten Stock angekommen, stürmte meine Familie im Rudel zielstrebig auf den nächsten wehrlosen Verkäufer zu – ich glaube, auf der Treibjagd geht’s nicht viel anders zu… Seinem Schicksal schnell ergeben, ging’s los mit der Rucksack-Beratung. Erste Frage in die Runde:“…und Sie gehören ALLE zusammen??“. Entschuldigung, aus ’nem banalen Rucksack-Kauf kann man schon mal einen Großevent machen! Und wie es sich zu jedem Anlass dieser Größe gehört, wurden auch gleich die Kameras gezückt. Ja, richtig, Kameras… Weder meiner Mum, noch meiner Tante (die Verwandtschaft lässt sich eben nicht leugnen) und erst recht nicht meinem Onkel war es zu peinlich, erst mal die Handys und Kameras zu zücken und jede noch so kleine Bewegung festzuhalten – hätten sie gewusst, wie man mit den Dingern Videos macht… sie hätten es getan… Und vorher noch ein paar Spots und Strahler besorgt, um die Szenerie auch schön auszuleuchten. Ich bin sicher, hätten sie die Nummer noch ein paar Minuten länger durchgezogen, wäre ich nach Autogrammen gefragt worden… Also, denn endlich der erste Rucksack vor mir. …und ich Idiot wollte ihn mir einfach irgendwie auf den Rücken heben. Wohlgemerkt, in dem Ding kann ich sicher bequem stehen. Aber weit gefehlt, erst die Schlaufe greifen, dann die andere Hand überkreuz drunter (…nennt man das dann „unterkreuz“…?), das Ding aufs Knie und DAAAANN, aber erst DAAAAANN darf man ihn aufsetzen. Das rote Monster auf meinem Rücken löste sogleich eine neue Welle der Begeisterung bei meiner Familie aus, Blitzlichtgewitter lies nicht lange auf sich warten. Und mein Vater, charmant wie er ist, ruft quer durch den Laden: „Ina, wo bist du denn, ich kann dich nicht mehr sehen! Ich sehe nur noch nen Rucksack mit Beinen!“ Zugegebenermaßen, das Ding trägt eher mich als ich ihn… Und dann kommt noch das richtige Einstellen an den Gurten:“bitte nach vorne beugen, an den Schüren ziehen und „zack“ aufrecht hinstellen“. Ich bin mir sicher, die Korsetts im 18. Jahrhundert haben im ersten Moment nicht anders gesessen… Und hätte irgendwer mit dem Finger gegen mich geschnippt, ich wäre nach hinten umgefallen und hilflos wie eine Schildkröte auf dem Panzer liegen geblieben… Dieses Schauspiel wiederholte sich sodann noch einige Male, irgendwann konnte ich diese Monster auch aufziehen, so mit richtiger Technik (mache ich sowieso nie wieder so…), ohne meine Arme zu verknoten. Aber kaum zu glauben, der erste Rucksack wurde letztlich auch der Favourit.

Warum ich euch die ganze Geschichte erzähle? Ja, weil sie ein wenig witzig ist. Aber wie in allen (ich hoffe mal) guten Geschichten, gibt’s zum Schluss noch eine Erkenntnis: verrücktes Gefühl, wenn man letztlich den Gegenstand in der Hand hält, der für über ein halbes Jahr all das beherbergt, was ich brauche. Meine Konstante, mein Zuhause, mein Helfer.

In diesem Sinne: habt eine tolle Woche!

I like to move it

Man sollte meinen, dass Dreamworks uns ähnlich wie Walt Disney mal wieder einen vom Pferd erzählt hat, wenn es um die militärisch organisierte Pinguin-Elitetruppe aus dem Film Madagascar geht, denn man möchte meinen, dass es auf Madagaskar gar keine Pinguine gibt. Aber am heutigen Tage wurde ich eines besseren belehrt, denn auf einmal stand Philipp vor mir – ein madagassischer Felsenpinguin. Dem Kindchenschema voll und ganz gerecht werdend sah er mich mit seinen großen Augen an und setzte sich auf mein Knie. Da sich mein Madagassisch leider noch im embryonalen Frühstadium befindet gestaltete sich die Verständigung etwas schwierig. Dennoch war nach einem kurzen Flügelschlag alles klar – Philipp war gestrandet und weit weg von zu Hause. In einer Harburger Zahnarztpraxis war ihm zu Ohren gekommen (Anmerkung der Redaktion: Hört sich komisch an, is‘ aber so), dass Ina und ich die Welt umsegeln wollten und mit Kokosnussbikini und geölter Stimme auch Madagaskar erobern wollen. Und somit offenbarte sich sein Anliegen. Philipp wollte nach Hause, zurück zu seiner Familie, die ihn wahrscheinlich schon schrecklich vermisste.

Demnach möchten wir euch hiermit unseren kleinen Begleiter Philipp vorstellen, der uns von Deutschland über Johannesburg bis nach Madagaskar begleiten wird. In ein paar Wochen kann Philipp dann endlich seine kleinen Flügel wieder um seine Eltern und Geschwister legen und am Strand von Madagaskar mit Ina im Kokosnussbikini tanzen. Und ja, es wird Fotos geben! 😉

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