Archiv der Kategorie: Madagaskar

Wasserfall, Wolkenbruch und Wald- und Wiesenmedizin

Wir haben natürlich nicht vergessen, dass der madagassische Reisebericht noch nicht vollständig ist. Hier also die Fortsetzung unserer Reise 🙂

IMG_0354Nachdem wir unter dem romantischen Regenschauer in unserem Zelt geschlafen hatten, wurden wir morgens geweckt. Um 4:30 Uhr. Von einem Hahn. Der einen Meter neben unserem Zelt stand. 15 Minuten lang. Wir hatten selten mehr Lust auf Chicken McNuggets, als in diesem Moment…

So ging es dann um sechs Uhr morgens wieder in unser Boot. Den Durchfall hätten wir gerne im Dorf gelassen, aber irgendwie fand es dieser fiese Zeitgenosse echt nett, mit uns zu reisen.
Nächster Halt gegen 10:30 Uhr, der Wasserfall. Wirklich tolles Teil! Komplett versteckt im madagassischen Urwald und nur über den Fluss erreichbar, fallen da viele viele Liter Wasser einfach die Klippe hinab. Und wir standen mitten drin und konnten endlich mal wieder Wasser über unsere Körper laufen lassen. Die Erfrischung hielt allerdings nur fünf Minuten an, nachdem wir das Wasser verlassen hatten. 45 Grad sind halt 45 Grad.

Also wieder in den Baumstamm. Auf zum nächsten Dorf, um Mittag zu essen. Naina hatte mal wieder fürstlich gekocht, wir verzichteten leider auf alles bis auf Reis und Bananen. Der Durchfall halt… Und zurück in den Baumstamm. Irgendwie war es stiller als vorher, wer oder was fehlte, merkten wir am Abend.
Als wir circa zehn Minuten später hinter unseren Sonnenschirmen hervor lugten, lächelte uns eine dunkle Wolkenwand ein wenig bedrohlich entgegen. Unsere Bootsmänner, die das Spektakel wohl kennen, verstauten sofort all unser Hab und Gut in Plastiksäcken. Und drei Minuten später ging dann mal kurz die Welt unter. Die Regenjacke wurde schnell zur unnötigen Requisite, denn gegen sehr viel Wasser in sehr kurzer Zeit hilft einfach nur die Plastikplane. Hatten wir leider gerade nicht griffbereit. Achja, zur Erinnerung: wir saßen in einem Baumstamm. Wie in einer schwimmenden Badewanne wurde es dann auch schnell von unten nass. Irgendwann haben wir uns einfach in unser Schicksal ergeben und warteten ab. Blöd nur, dass die Rucksäcke scheinbar doch nicht richtig eingepackt waren. Flusswasser durchtränkte Klamotten in einem Rucksack, zwei Tage alt… Wir sollten erfahren, welch herrliches Odeur das erzeugen kann.IMG_0503

Unser Tag endete schließlich auf einer Sandbank. Und da erkannten wir auch, warum es mittags ruhiger war. Unser Hühnchen hatte in der Mittagszeit den Weg ins Licht angetreten und wurde gerade auf dem Mini-Kohlegrill zur Barbecue-Hauptattraktion. (Wir hätten ja lieber den Hahn aus dem Dorf dort gesehen…)
Danach ging es auch schon ins Zelt, natürlich nicht, ohne einen Blick in den Himmel geworfen zu haben. So viele Sterne haben wir definitiv noch nie im Leben gesehen. Das hat die nächtlichen Gänge in den Busch (hallo Durchfall) definitiv sehr viel romantischer gestaltet.

IMG_0469Am nächsten Morgen ging es früh weiter, sodass wir mittags am Endpunkt der Bootsreise waren. Da wir jedoch viel zu früh waren, mussten wir noch zwei Stunden im Dorf auf unseren Fahrer warten. Wir waren mal wieder Hauptattraktion. Kinder kamen aus allen Ecken und Häusern. Mit Fingerspielen und Steinen konnten wir uns prima verständigen und unterhielten die Dorfgemeinschaft „spielend“.

Dann ab in den 4×4 Geländewagen auf den Weg in den Kirindi-Forest, wo wir abends Lemuren und Fussa beobachten wollten. Ich bin durch die Fahrweise meines lieben Papas schon wirklich einiges gewohnt. Vergessene Ausfahrten auf der Autobahn, die noch im 45Grad-Winkel mit dem Auto problemlos überwunden werden oder Joghurt essend und dabei Emails lesend bei 180km/h, alles kein Problem. Aber mit dem Geländewagen über Madagaskars „Hauptstraßen“… Alter Schwede. Ein Feldweg, an dem kaum zwei Autos aneinander vorbei passen, bestehend aus roter Erde, Löchern, Hügelchen und den dazugehörigen Tälern. Ich dachte schon, schlechter kann dir bei einer Autofahrt nicht mehr werden. (Konnte es doch…) dazwischen ein liegen gebliebener LKW. Was also tun? Einfach dran vorbei fahren! Schon mal auf zwei Rädern gefahren mit der Sorge, dass das Auto gleich aufs Dach kippt? Treibt einem schon ein wenig den Schweiß auf die Stirn.
Zwischenhalt machten wir in einem Dorf. Die Toilette war eine Bambuszaun, hinter dem es furchtbar roch. Es gab wieder Reis. Ah, und getrunken wird Reiswasser. Der angebrannte Bodensatz wird noch einmal mit Wasser aufgekocht. Klingt eklig, ist aber so.

Dann die Ankunft im Wald. Wir hatten uns auf irgendwas Hotel-artiges gefreut. Naja, es wurde der Bretterverschlag. Aber es gab Strom! Jedenfalls abends von halb acht bis zehn… Und Wasser. Jedenfalls kaltes. Und eine Toilette, jedenfalls die Schüssel, auf die Klobrillen wurde verzichtet. Wir mussten leider auch auf Wanderungen und Führungen verzichten, da unser Durchfall mal wieder keine Spaziergänge ohne Toilette-to-go zugelassen hätte. Tiere sahen wir trotzdem reichlich. Sie spazierten einfach vor der Tür vorbei.

IMG_0534Vom Durchfall dann doch langsam ein wenig genervt, ging es morgens durch die Straße der Baobab-Bäume nach Morondava, um einen Arzt zu finden. Die Bäume sind beeindruckend (Fotos folgen!). Bis zu 600 Jahre alt, ein dicker Stamm, keinerlei Äste, und dann eine äußerst imposante Baumkrone, die an die Wurzeln eines Baumes erinnern.
Kurz zu erwähnen: Straßen wieder ein Knaller, für 60 Kilometer brauchten wir knapp zwei Stunden.

In Morondava angekommen ging es zum Arzt. Naja, das war eine Dame in einem Privathaus, in einem dunklen Zimmerchen. Sie verschrieb dann Pulver und Kapselchen. So richtig wohl war uns dabei nicht. Also fragten wir Naina, ob wir nicht zurück nach Antananarivo fahren könnten. Wir hofften auf ansatzweise medizinische Versorgung… Zum Glück war unsere Fahrer vom Anfang im gleichen Ort und wir konnten zurück fahren. Auch hier galt wieder „Mura Mura“, immer mit der Ruhe. Der Tankdeckel wurde vergessen. Das Problem wurde mit einer Plastiktüte und Gummibändern behoben. So ging es auf zu weiteren 13 Stunden Fahrt, für knappe 600 Kilometer. Serpentinen hoch und Serpentinen runter. Die letzten zwei Stunden in Dunkelheit, die Sonne hatte sich auch irgendwann verabschiedet. Und dies wurde zur fiesesten Autofahrt überhaupt. Durch die MediIMG_0556kamente vollkommen müde und somit nicht in der Lage, sich auf die Straße zu konzentrieren, kämpfte man irgendwann mit Orientierung, Schwindel und Übelkeit. War ich froh, als die Lichter von Antananarivo endlich irgendwann auftauchten. Leider war die Sprache irgendwann auch Schwindel und Co. zum Opfer gefallen, sodass ich vom Auto, ohne ein Wort zu sagen, in die Lobby des Hotels steuerte, um mich am Hocker vor der Rezeption festzukrallen und mich anschließend von Aline ins Zimmer bringen zu lassen. Sorry Jungs, ihr wart alle toll und die Woche war ein Abenteuer!

Am nächsten morgen und einem Gespräch mit Alines Schwester später, buchten wir unseren Flug zurück nach Johannesburg um und flogen drei Tage eher ab. Achja, das eine Medikament der Ärztin ist in Deutschland nicht einmal zugelassen und das andere konnte den Durchfall erst noch einmal verstärken.
Es lebe die madagassische Medizin!

Erkenntnis der Reise: Durchfall kann richtig blöde sein. Kurvige Straßen in der Nacht auch. Aber ein solches Mini-Abenteuer schweißt noch mehr zusammen und hilft dem verwöhnten Europäer, ab und zu mal die Brille wieder gerade zu rücken.

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Eine Bootsfahrt, die ist lustig…

Frisch und fröhlich ging es am nächsten Morgen weiter. Über Stock und Stein und Schlaglöcher in denen man locker hätte stehen können bahnten wir uns unseren Weg nach Miandrivazo, dem heißesten Fleck Madagaskars. Bei knusprigen 40 Grad im Schatten (die Sonne stand im Zenit und somit gab es gar keinen) checkten wir in unseren Bungalow ein. Die Nacht war trotz Ventilator der blanke Horror und wir machten kaum ein Auge zu. Zudem war ich den restlichen Nachmittag ans Klo gebunden. Die Toilette war zum Vergnügen aller Beteiligten nur durch einen Vorhang vom restlichen Zimmer getrennt. Uns kann jetzt wirklich nichts mehr entzweien…
Morgens wurden wir früh abgeholt und kauften in der Apotheke noch schnell ein paar Kräuter, etwas Pulver, Cola und Klopapier um die Fahrt zu überstehen. Dann wurden wir samt unseres Gepäcks mit einem Pousse Pousse zum „Hafen“ der Stadt gefahren. Es handelt sich dabei um eine kleine überdachte Sitzfläche mit Fahrrad vorne dran. Ein einziger Gang, verrostete Kette, aber die Fahrradklingel stets in der Hand des Fahrers – da der Lenker derart verrostet war, dass nicht mal mehr ein Taschentuch dran gehalten hätte. Unsere beiden Pousse Pousse Fahrer dürften am nächsten Tag den Muskelkater ihres Lebens gehabt haben… Kurz darauf saßen wir auch schon in unserem Pirogue, nachdem wir beim halben Dorf mit unserer Sonnencreme für Belustigung sorgten. An Bord dieses zehn Meter langen ausgehöhlten Baumstammes befanden sich unser ganzes Hab und Gut, unser Guide, zwei Bootsmänner, zwei Einwohner aus einen anderen Dorf, der quasi per Anhalter mitfuhren, Töpfe, Zelte und unser Highlight: ein lebendiges Huhn. Was es damit auf sich hatte erfuhren wir ein paar Tage später. Es war jedenfalls nicht als Reisemaskottchen gedacht…

IMG_0333Nicht mal eine Stunde nach Abfahrt, also gegen 8Uhr, zückten wir bereits unsere Regenschirme, die wir als Sonnenschirme zweckentfremdeten. Der Schirm war nun auch eher grobmaschig genäht, dass die Sonne uns immer noch tierisch auf unseren nordischen Teint brannte. Während wir die Landschaft, die an beiden Seiten an uns vorbei zog, genossen, bereitete unser Guide bereits das Mittagessen vor. Nein, es gab keine belegten Brote, sondern er heizte die Kohle ein und kochte Reis, Schnitt nebenher Gemüse und wusch alles Benutzte im Fluss, der die Farbe von rötlicher Vollmilchschokolade hatte. Und das alles machte er auf dem Boot und versicherte uns, dass er eben dieses nicht abfackeln würde. Nachdem wir unsere Mitfahrer hinter der dritten Gabelung links abgesetzt hatten, legten auch wir an und machten Mittagspause. Unsere Mägen schienen schon zu ahnen, was ihnen die nächsten Tage hervorstehen würde… Aufs Klo mussten wir ab diesem Zeitpunkt nun beide. Ständig. Wir erklommen einen steilen Hang, kämpften uns durch fünf Büsche und ließen die Hosen runter in der Hoffnung, uns würde nichts in den Hintern beißen. Dann machten wir einen kleinen Mittagsschlaf am Ufer im Schatten, da es zu warm zum Weiterfahren war.
Als wir weiter fuhren sahen wir immer wieder kleine Kinder ans Ufer rennen und winken. Sie riefen „Vasa,Vasa“ und freuten sich, IMG_0337begleiteten uns meist einige Meter am Uferrand und verschwanden dann wieder. Naina erklärte uns, dass alle, die nicht dunkelhäutig waren „Vasa“ genannt werden. Kein Schimpfwort, sondern einfach nur die Bezeichnung für das mehr oder weniger Unbekannte, das weiße.
Nach vier Stunden auf der einen Pobacke und vier Stunden auf der anderen Pobacke sitzend war nun der ganze Hintern taub und wir erreichten das Dorf in dem wir schlafen wollten. Auch hier kamen uns Kinder entgegen, guckten uns mit großen Augen an, nahmen uns an der Hand und zogen uns durch das Dorf,mwelches aus fünf Hütten bestand. Einfache Bambushütten, irgendwo an einem Flussufer, verrückt… Während die Bootsmänner und Naina alles auspackten und das Abendessen vorbereiteten, versuchten wir mit den Kindern zu kommunizieren. Unsere Kamera faszinierte sie auf jeden Fall schon mal und so machten wir einige Fotos. Unser pinkes Handtuch mussten wir mit Händen und Füßen verteidigen. Danach saßen wir uns gegenüber und schauten uns an. Wir wussten nicht so recht was wir tun sollten. Wir hatten weder Spielzeug noch Süßigkeiten mit. Doch den Kindern wurde auch nicht langweilig beim Anschauen unserer mehr oder weniger bleichen Haut.
IMG_0359Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen hatten war auch schon das Essen fertig. Wir verzichteten auf alle Beilagen und begnügten uns mit Reis, in der Hoffnung, dass es unserem Magen gut tun würde. Naina gab sich solche Mühe und präsentierte uns ein drei-Gänge Menü mit Suppe, Hauptgang und einer karamellisierten Banane zum Schluss. Und all das kochte er über dem offenen Feuer.
Nach dem Essen saßen wir noch lang am Ufer und ließen alles auf uns wirken. Gern hätten wir uns einfach aneinander gekuschelt, aber dies hätte hier wohl nicht auf Verständnis gestoßen. Wir wussten nicht, ob wir eventuell auf dem Holzkohlegrill gelandet wären. Und so machten wir es uns in unserem Zelt gemütlich, unter romantischem Platzregen.

Erkenntnis des Tages: Geckos machen ganz schön Krach. Auf so einer Reise kommt man sich näher. Wie nah durften wir hier erfahren. Und in nem Baumstamm auf nem Fluss brennt einem nach acht Stunden tierisch der Pelz und der Po.

Von A wie Antsirabé bis Z wie Zebu

Auf den Verzicht auf Internet hatten wir uns bereits direkt nach unserer Ankunft in Madagaskars Hauptstadt eingestellt. Doch auf was wir alles während unserer Reise durch das Land würden verzichten müssen, war uns zu diesem Zeitpunkt bei Weitem noch nicht klar. Was wir wussten war, dass wir das Land und vor allem die Leute kennenlernen wollten. Nicht so viel Touristenchichi, sondern mehr Kultur. Mit diesem Vorhaben im Kopf ließen wir uns ein paar Angebote von privaten Guides machen. Nach Kurzem stand fest wie, was, wann und wo und unser Bauchgefühl entschied sich für einen der Führer. Naja, jedenfalls stand das Grobe fest… Die gute alte Sprachbarriere war auch wieder mit von der Partie.

Da uns dieser Trip viele Nerven gekostet und uns einiges abverlangt hat, werden wir in mehreren Teilen davon berichten, damit ihr einfach mehr davon habt 🙂

Perfekt zum Nikolaus ging es also am 06. mit frisch geputzten Schuhen los. Wie immer begann unser Tag bereits um 6 Uhr (warum wir hier schon so früh und ohne Probleme aus dem Bett kommen wissen wir immer noch nicht). Rucksäcke und alles Hab und Gut rein in den Kofferraum eines klapprigen Peugeot. Für den Ersatzreifen war nun leider kein Platz mehr. Wir fühlten uns ein wenig wie Drogendealer, als wir die gut 2 Millionen Ariary in einer schwarzen Plastiktüte nach vorn auf den Beifahrersitz schoben. Aber so macht man das hier, denn sonst wechselt das Geld schneller den Besitzer als man gucken kann. Nachdem wir also unseren Guide bezahlt hatten, verließen wir Antananarivo zusammen mit unserem Fahrer Néné und unserem Guide Naina. Zwei wildfremde Menschen, ein knarzender Klapperkasten mit Slicks (hierzu der passende Wikipedia-Auszug: Ein Slick (engl. für „glatt“) ist ein profilloser Reifen, der bei richtiger Temperatur aufgrund seiner sehr haftfähigen Laufflächenmischung für Einsätze auf trockenen oder leicht feuchten Straßen geeignet ist – normalerweise im Rennsport. Eine wichtige Kenngröße ist die Temperatur. Diese muss in einem passenden Bereich bei ca. 80 °C – und damit höher als bei einem normalen Pkw-Reifen – liegen. Darunter hat ein Reifen nur geringe Haftung.) und wir zwei mal wieder mittendrin. Wir sollten aber erst später herausfinden, dass unser Fahrer gern Formel1 Basecaps trug und auch dementsprechend fuhr…

Als erstes stand Antsirabé auf unserer Liste. Es handelt sich hierbei um die zweitgrößte Stadt des Landes und nicht etwa um einen Darmvirus, aber auch dazu später mehr. Auf den circa 170km, die wir auf der Route National 7 (der einzigen geteerten Straße der Insel) zurück legten, kamen wir durch viele verschiedene Dörfer, deren Bewohner alle etwas besonderes „konnten“. Die ersten konnten besonders gut mehrere Ananas übereinander stapeln, die nächsten konnten Giraffen aus Stroh basteln und eines der Dörfer war für ihre Produktion von Aluminiumsachen bekannt. Wir erwarteten eine kleine Fabrik. Weit gefehlt. Wir liefern durch eine Ruine, die wohl als Wohnzimmer diente und stießen im Hinterhof auf einen Mann, der in einem kleinen Verschlag im Staub saß und uns angrinste, während er flimmernden schwarzen Sand durch seine Finger rieseln lies. Mit Dreck, Staub und Kohle bewaffnet bastelte er Gussformen, die schon ein paar Minuten später Topf und Deckel hervorbrachten. So stellte er Pferdefiguren, Tassen, Flaschenöffner und sogar Knoblauchpressen und die Figuren für Tischfußball her. Ordentlich beeindruckend.

IMG_0466Danach ging es weiter, vorbei an Reisfeldern, soweit das Auge sah. Und vielen hart arbeitenden Frauen und Männern, die jede einzelne Pflanze per Hand einsetzten. Typisch mitteleuropäisch haben wir uns erkundigt, was die Arbeiter denn so verdienen. Einen etwas erstaunten Gesichtsausdruck später erklärte uns Naina, dass sie natürlich nicht für Geld arbeiten, sondern damit ihr Dorf ernähren. Und sollte mal etwas übrig bleiben, wird es eben als Tauschware gegen andere Güter eingesetzt. Verrückt…

Verrückt auch durchaus die ein oder andere Art der Fortbewegung. An den Anblick von Zebu-Karren gewöhnten wir uns recht schnell. An junge Männer auf dem Fahrrad, die sich einfach am Heck eines kleinen 40 Tonnen schweren Lastwagens festhielten und sich so die Berge hochziehen ließen, eher nicht so schnell.

Nach vier Stunden in Antsirabé angekommen, ging es nach einem Mittagessen (Reis, was sonst…) zum Hotel. Wir waren angenehm überrascht. Ein kleiner Bungalow in einem wunderschönen Garten. Mit Palmen vor der Tür und etlichen kleinen Bächlein, die sich durch das Gelände zogen. An den üblichen kleinen Schimmel in der Dusche und der Tatsache, dass das „Bad“ bloß einen Vorhang für die Privatsphäre hatte, hatten wir uns schon gewöhnt.
Danach wieder ins Auto und die Stadt erkunden. Sie ist ebenso arm wie das ganze Land. Menschen, die wie vor einen Karren gespannt andere Menschen von A nach B ziehen. Winzigen Hütten und Bretterverschläge, in denen sämtliche Mitglieder einer Familie zusammen wohnen. Dreck und Staub überall, Menschen mit wenigen Zähnen, bieten Fleisch an, was in der Sonne schon gegart wurde.
IMG_0235Weiter ging es zu einem kleinen Künstler, der uns zeigte, wie man aus alten Getränkedosen und Telefonkabeln ein Miniatur-Fahrrad bastelt. (Klar mussten wir eines mitnehmen…) Weiter ging es zu einer Familie, die aus Zebu-Horn alle möglichen Gegenstände herstellte. Uns wurde der komplette Prozess gezeigt. Und auch hier zeigte sich wieder eine Einfachheit, wie sie in Deutschland kaum denkbar wäre. Um das Horn zu schleifen, wurde ein alter Waschmaschinenmotor verwendet. Kurz einen Metallstab reingesteckt, eine Frässcheibe aus dem Boden einer alten Metalltonne festgeschraubt und los ging’s. Zum Polieren wurde alter Jeansstoff verwendet – die Hose dazu lag noch in der Ecke, durchlöchert wie ein Schweizer Käse.
Auch hier mussten wir wieder etwas mitnehmen…
Danach auf einen Markt. In einem alten Stall waren mit wenigen Brettern die Stände zusammen gezimmert. Gerüche, die uns abwechselnd den Schweiß auf die Stirn, die Tränen in die Augen oder den Ekel in den Hals trieben. Wieder Fleisch, nach dem sich eine Horde Fliegen schon genüsslich die Flügel rieb, daneben Fisch im selben Zustand. Ebenso Gemüse, Obst und einfach alles, was man sonst noch brauchen könnte.

Anschließen ging es wieder ins Hotel, den Tag auf uns wirken lassen. Ein kleines Abendessen. Unsere erste Feststellung: Zebu-Milch schmeckt wie ein Schaf, das man auf der Weide vergessen hat. Und flockt so zart wie fünf Tage alte Dosenmilch.
Anschließend genossen wir den ersten Abend unter dem Moskitonetz, in den Schlaf gewogen durch das zarte Rauschen der Toilettenspülung, die einfach keine Ruhe geben wollte. Aber wenn man die Augen schloss und es sich ganz fest vorstellte, konnte man fast glauben, es wäre ein Bächlein, was am Zimmer vorbei fließt.

Erkenntnis des Tages: War Südafrika für uns noch kontrastreich, so ist es Madagaskar kaum. Zumindest was Städte oder viel mehr Dörfer betrifft. Prangte in Südafrika neben der Wellblechhütte eine kleine Villa hinter dem Starkstromzaun, so ist der einzig erkennbare Unterschied hier, ob die Hütte aus Ziegelsteinen oder Lehm ist. Meist jedoch um einiges simpler aus Bambus und Stroh. Dafür ist die Landschaft umso kontrastreicher! Der WOW-Effekt in Südafrika blieb größtenteils aus, holte uns in Madagaskar dafür aber doppelt wieder ein.

Vom Backpacker zum Millionär

20121206-070901.jpgSchon auf dem Flughafen in Johannesburg war von Inas Bräune nichts mehr zu sehen als wir auf die kleinen Propellermaschinen zusteuerten. Aber zum Glück fuhren wir nur daran vorbei und erreichten unsere kleine aber feine zweiturbinige Minimaschine. Immerhin, es war genug Platz für Sitzplätze und so musste keiner stehen. Den Flug überstanden wir mehr oder minder schweißfrei und wurden mit blauem Himmel und Sonne in Antananarivo empfangen. Ein äußerst kleiner Flughafen (passend zu unserem Flugzeug), aber perfekte Arbeitsteilung: eine kleine Madagassin sammelte zunächst unsere Einreisekarten ein, die wir vor der Landung ausfüllen mussten, eine weitere wies uns dann einen der beiden Passkontrollschalter zu, der nächste nahm unseren Pass entgegen und reichte ihn geöffnet weiter, damit sein Kollege einen riesen Stempel auf die leere Seite drücken konnte und der fünfte im Bunde guckte dann auch mal ob Bild und Person Ähnlichkeiten aufwiesen…
In der Empfangshalle wurden wir dann mit großem Schild von unserem Taxifahrer empfangen, der uns zunächst zur Wechselstube führte. Dort tauschten wir 200,- Euro und waren im Handumdrehen halbe Millionäre, denn wir bekamen über 500.000,- Ariary. Danach überkam uns auch gleich das zweite Hochgefühl, als wir zum Taxi gingen: das Lenkrad war links! Ein Stückchen Heimat, nach den drei Wochen im LinksverkehrIMG_0111 und auf der rechten Seite sitzend!
Auf dem Weg zu unserem Hotel kamen wir durch ganz Antananarivo und somit an vielen kleinen Läden vorbei. Völlig überwältigt von den vielen Eindrücken versuchten wir aber alles aufzunehmen und vor allem im Gedächtnis zu behalten. Seither mag mir ein kleiner Kiosk nicht aus dem Kopf gehen, denn hier lagen gut 8 Pfund Gehacktes auf der Fensterbank. Ob es sich hierbei um einen madagassischen Bioladen handelte, der einfach Energie sparen wollte, vermag ich nicht zu sagen, aber ich gehe davon aus, dass das Fleisch somit auch ohne Herd, dank der 28 Grad Außentemperatur, recht durch war. Aber auch Schweinebeine und Hühnerflügel hingen in den Fenstern. Kurz nach dem Ökofleischer kamen wir auch noch an einer Autowerkstatt vorbei. Der madagassische Durchschnittsbürger vertraut aber lieber auf seine Muskelkraft als auf den V8-Motor und so wurden hier am Straßenrand keine Fords oder Volkswagen wieder auf Vordermann gebracht, sondern der Bollerwagen für Erwachsene. Normalerweise hätte ich davor einen Ochsen gespannt, aber hier zogen kleine Männer den Wagen, der aus Holzpalette, kleinen Rädern und Sprungfedern bestand. Und wenig beladen waren sie nicht. Links und rechts fuhren wir vorbei an Reisfeldern. Macht ja auch Sinn, da hier morgens, mittags und abends Reis gegessen wird. Isst ein Madagasse an einem Tag keinen Reis, dann sagt er, dass er abends nicht schlafen könnte und wenn er Nudeln isst, dann ist es so als hätte er nichts gegessen.
Im Hotel angekommen verbreiteten wir zunächst wieder Chaos in unserem Zimmer, indem wir die Hälfte aus den Rucksäcken zogen. Das machen wir immer so… Eine Art Ritual, damit wir uns schneller zu Hause fühlen 😉
Wir erkundigten uns dann nach dem angepriesenen WLAN und wurden schnell wieder auf den madagassischen Boden der Tatsachen zurück geholt. Internet auf einer Insel, die nur eine geteerte Straße hat? Schöner Gedanke. Daraufhin machten wir uns also auf den Weg, um Wasser zu kaufen, da das Wasser aus dem Hahn genauso gut wie das Internet ist. Hindurch durch verschiedenste Düfte (schöne waren selten darunter) suchten wir einen der vielen Kioske auf und mit Hand und Fuß erfragten wir einen Rotwein und Wasser. An dieser Stelle sei angemerkt: ich hätte in Französisch einfach aufpassen sollen statt meiner Lehrerin Papierkügelchen ins Haar zu schnippen während sie die Zeitformen an die Tafel schrieb. Naja, wieder eine Sache, die ich bei meinen Kindern einfach besser machen werde.
Zurück im Hotel tranken wir den leckeren Wein, der starke Ähnlichkeit mit dem Johannesburger „Bier“ aus dem Shebeen hatte und ließen das erlebte auf uns wirken. Nach einem Hühnchen mit Kokosnuss uns Reis, welches wir für jeweils knapp 3,00 Euro erstanden gingen wir auch schon ins Bett. Natürlich erst nachdem wir ordnungsgemäß das Moskitonetz darüber ausgebreitet hatten. In Rosa wäre es ansehnlicher gewesen, aber auch so hatte es ein leicht romantischen und weltenbummlerischen Touch.

Erkenntnis des Tages: auch hier kann Hackfleisch reden. In madagassische Schlaglöcher passen ganze Elefanten und wenn man in der Schule nicht richtig aufpasst, dann rächt sich das spätestens auf Madagaskar!

Wir haben das kleine Ding extra für euch festgehalten 🙂

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