Eine Bootsfahrt, die ist lustig…

Frisch und fröhlich ging es am nächsten Morgen weiter. Über Stock und Stein und Schlaglöcher in denen man locker hätte stehen können bahnten wir uns unseren Weg nach Miandrivazo, dem heißesten Fleck Madagaskars. Bei knusprigen 40 Grad im Schatten (die Sonne stand im Zenit und somit gab es gar keinen) checkten wir in unseren Bungalow ein. Die Nacht war trotz Ventilator der blanke Horror und wir machten kaum ein Auge zu. Zudem war ich den restlichen Nachmittag ans Klo gebunden. Die Toilette war zum Vergnügen aller Beteiligten nur durch einen Vorhang vom restlichen Zimmer getrennt. Uns kann jetzt wirklich nichts mehr entzweien…
Morgens wurden wir früh abgeholt und kauften in der Apotheke noch schnell ein paar Kräuter, etwas Pulver, Cola und Klopapier um die Fahrt zu überstehen. Dann wurden wir samt unseres Gepäcks mit einem Pousse Pousse zum „Hafen“ der Stadt gefahren. Es handelt sich dabei um eine kleine überdachte Sitzfläche mit Fahrrad vorne dran. Ein einziger Gang, verrostete Kette, aber die Fahrradklingel stets in der Hand des Fahrers – da der Lenker derart verrostet war, dass nicht mal mehr ein Taschentuch dran gehalten hätte. Unsere beiden Pousse Pousse Fahrer dürften am nächsten Tag den Muskelkater ihres Lebens gehabt haben… Kurz darauf saßen wir auch schon in unserem Pirogue, nachdem wir beim halben Dorf mit unserer Sonnencreme für Belustigung sorgten. An Bord dieses zehn Meter langen ausgehöhlten Baumstammes befanden sich unser ganzes Hab und Gut, unser Guide, zwei Bootsmänner, zwei Einwohner aus einen anderen Dorf, der quasi per Anhalter mitfuhren, Töpfe, Zelte und unser Highlight: ein lebendiges Huhn. Was es damit auf sich hatte erfuhren wir ein paar Tage später. Es war jedenfalls nicht als Reisemaskottchen gedacht…

IMG_0333Nicht mal eine Stunde nach Abfahrt, also gegen 8Uhr, zückten wir bereits unsere Regenschirme, die wir als Sonnenschirme zweckentfremdeten. Der Schirm war nun auch eher grobmaschig genäht, dass die Sonne uns immer noch tierisch auf unseren nordischen Teint brannte. Während wir die Landschaft, die an beiden Seiten an uns vorbei zog, genossen, bereitete unser Guide bereits das Mittagessen vor. Nein, es gab keine belegten Brote, sondern er heizte die Kohle ein und kochte Reis, Schnitt nebenher Gemüse und wusch alles Benutzte im Fluss, der die Farbe von rötlicher Vollmilchschokolade hatte. Und das alles machte er auf dem Boot und versicherte uns, dass er eben dieses nicht abfackeln würde. Nachdem wir unsere Mitfahrer hinter der dritten Gabelung links abgesetzt hatten, legten auch wir an und machten Mittagspause. Unsere Mägen schienen schon zu ahnen, was ihnen die nächsten Tage hervorstehen würde… Aufs Klo mussten wir ab diesem Zeitpunkt nun beide. Ständig. Wir erklommen einen steilen Hang, kämpften uns durch fünf Büsche und ließen die Hosen runter in der Hoffnung, uns würde nichts in den Hintern beißen. Dann machten wir einen kleinen Mittagsschlaf am Ufer im Schatten, da es zu warm zum Weiterfahren war.
Als wir weiter fuhren sahen wir immer wieder kleine Kinder ans Ufer rennen und winken. Sie riefen „Vasa,Vasa“ und freuten sich, IMG_0337begleiteten uns meist einige Meter am Uferrand und verschwanden dann wieder. Naina erklärte uns, dass alle, die nicht dunkelhäutig waren „Vasa“ genannt werden. Kein Schimpfwort, sondern einfach nur die Bezeichnung für das mehr oder weniger Unbekannte, das weiße.
Nach vier Stunden auf der einen Pobacke und vier Stunden auf der anderen Pobacke sitzend war nun der ganze Hintern taub und wir erreichten das Dorf in dem wir schlafen wollten. Auch hier kamen uns Kinder entgegen, guckten uns mit großen Augen an, nahmen uns an der Hand und zogen uns durch das Dorf,mwelches aus fünf Hütten bestand. Einfache Bambushütten, irgendwo an einem Flussufer, verrückt… Während die Bootsmänner und Naina alles auspackten und das Abendessen vorbereiteten, versuchten wir mit den Kindern zu kommunizieren. Unsere Kamera faszinierte sie auf jeden Fall schon mal und so machten wir einige Fotos. Unser pinkes Handtuch mussten wir mit Händen und Füßen verteidigen. Danach saßen wir uns gegenüber und schauten uns an. Wir wussten nicht so recht was wir tun sollten. Wir hatten weder Spielzeug noch Süßigkeiten mit. Doch den Kindern wurde auch nicht langweilig beim Anschauen unserer mehr oder weniger bleichen Haut.
IMG_0359Nachdem wir unser Zelt aufgeschlagen hatten war auch schon das Essen fertig. Wir verzichteten auf alle Beilagen und begnügten uns mit Reis, in der Hoffnung, dass es unserem Magen gut tun würde. Naina gab sich solche Mühe und präsentierte uns ein drei-Gänge Menü mit Suppe, Hauptgang und einer karamellisierten Banane zum Schluss. Und all das kochte er über dem offenen Feuer.
Nach dem Essen saßen wir noch lang am Ufer und ließen alles auf uns wirken. Gern hätten wir uns einfach aneinander gekuschelt, aber dies hätte hier wohl nicht auf Verständnis gestoßen. Wir wussten nicht, ob wir eventuell auf dem Holzkohlegrill gelandet wären. Und so machten wir es uns in unserem Zelt gemütlich, unter romantischem Platzregen.

Erkenntnis des Tages: Geckos machen ganz schön Krach. Auf so einer Reise kommt man sich näher. Wie nah durften wir hier erfahren. Und in nem Baumstamm auf nem Fluss brennt einem nach acht Stunden tierisch der Pelz und der Po.

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