T-Shirts und TukTuks

Früh morgens aus den Federn gefallen, haben wir uns auf zu einem Markt gemacht. Angepriesen als wunderschöner einheimischer „Bauernmarkt“ auf dem Dach eines Einkaufscenters, waren wir voller Vorfreude auf bunte Farben und dichtes Gedränge. Naja, bunt waren die fünf Mangos und drei Erdbeeren schon. Und dichtes Gedränge lies sich auch nicht vermeiden. Lag aber wohl daran, dass der Markt auf dem Parkplatz eines Geschäfts und eines Cafés war und mit vier Ständen schon restlos überfüllt schien. Also begaben wir uns leicht frustriert ins Café unter uns. Ich hatte die nächste halbe Stunde Mühe, Alines Augen von den Bernstein-farbendenen Augen des Kellners loszueisen, in dessen Blick sich mein geliebtes Wesen gerne verlor. Jaja, schokobraune Haut und die passenden Augen und schon hat der Ina’sche Lockenkopf nichts mehr zu melden 😉

Als wir wieder in Richtung Gasthaus aufbrachen, warfen wir noch einen kleinen Blick in den Klamottenladen nebenan. Böser Fehler… Schon hatten wir die wie ein Gummiball um uns herum springende Verkäuferin als zweiten Schatten an unseren Fersen. Die wäre uns auch in die Kabine gefolgt, hätten wir sie vorher nicht leicht mahnend angeschaut.
Von sich aus schon diverse Rabatte anbietend, erschien es uns nicht weitab, dass sie auch noch ihren Bruder verkaufen würde, hätten wir einen guten Preis angeboten. Hätte der die Augen des Kellners gehabt, hätte Aline sicher die Kreditkarte gezückt. 😉
Als wir gerade unsere beiden Shirts bezahlen wollten, fiel uns eine metallene Garderobenleiste in Form der Skyline von Johannesburg auf. Schönes Teil, aber für uns nicht zu transportieren. Kaum bemerkte die Verkäuferin unseren Blick, hatten wir das Teil in allen erdenklichen Farben und Größen vor der Nase. Inklusive riesen Rabatt, hach, was ein Glückstag. Einzige Prämisse: das Ding musste bar bezahlt werden. Also überlegten wir, nochmal zum Automaten zu gehen, Geld zu holen, das Ding zu kaufen und dann per Post nach Deutschland zu schicken. Und wir Idioten teilten diesen Plan der Verkäuferin mit… Das Geschäft ihres Lebens witternd (ich wette, wir hätten immer noch viel zu viel gezahlt…) wollte sie uns ein TukTuk rufen (diese dreirädrigen Roller mit Kabine, die man sonst eher aus China kennt…). Ihr Plan: TukTuk fährt uns zur Bank, zurück zum Laden, dann kaufen wir das Zeug, also Shirts plus Kleiderhakendingens, und fahren dann zur Post. Es war Samstagmittag, unser Flieger würde montags um zehn Uhr morgens gehen. Es war also nun die einige Chance, das Ding noch zu verschicken.
Irgendwie beschlich uns aber so langsam ein ungutes Gefühl. So schön war das Hakendingens nun doch nicht mehr und so ein bisschen verkratzt war es ja auch. Und was, wenn die Post schon geschlossen hat…?
IMG_0014Vollkommen feige und ein klein wenig überfordert überlegten wir also, wie wir aus der Nummer rauskämen, aber die Shirts mitnehmen könnten. Natürlich ohne der Verkäuferin zu sagen, dass wir nur die Shirts wollen und nicht mehr das Ding. Das TukTuk war schon auf dem Weg zu uns, die Verkäufern hatte es netterweise in der Zwischenzeit schon gerufen…
Da kam uns die rettende Idee… Unsere Kamera! Die hatten wir auch dabei. Ohne Hülle oder Tasche. Ist ja schon mächtig auffällig. Und eine braune Papiertüte mit T-Shirts drin wäre weit weniger auffällig. Also verkauften wir der Verkäufern die Geschichte mit der Kamera und sagten ihr, dass wir die Shirts schon mal mitnehmen – nur wegen der Kamera – und dann Geld holen würden, um die Hakendingsbums zu kaufen.
Wir bezahlten also das Shirt, unser TukTuk kam und wurde gleich von der Verkäuferin instruiert. Kaum saßen wir alleine in dem schnuckeligen Gefährt, beschworen wir den Fahrer, uns vollkommen woanders rauszulassen, Hauptsache weit genug weg vom Laden. Die fünf Minuten Fahrt waren schon sehr abenteuerlich. Der Fahrer des Taxis war anscheinend genauso überrascht wie wir, dass das Gefährt mehrere Gänge hat, denn er war mehr mit Neustarts nach dem Abwürgen des Motors beschäftigt, als mit Schalten.
Aufgrund unseres schlechten Gewissens gegenüber der Verkäuferin und zur akuten Karma-Bereinigung, gaben wir auch reichlich Trinkgeld und verkrümelten uns in die Tiefen eines anderen Jo’Burgers Cafés.

Erkenntnis des Tages: wir sind furchtbar feige – wir haben uns ständig versucht einzureden, dass es einfach höflicher war – und handeln müssen wir noch üben. Aber das Karma ist bestechlich, also alles super!

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