South Western Township – SOWETO

Nach unserer erfolgreichen Shoppingtour hatten wir uns überlegt noch eine Tour nach Soweto zu machen, um den ärmsten und gleichzeitig den gefährlichsten Teil Johannesburgs zu sehen. Im Internet suchten wir nach einer Tour ohne den gemeingefährlichen Touristen und wurden schnell fündig. Kurzerhand schrieben wir den Guide an und hofften auf eine schnelle Antwort, da unser Vorhaben doch sehr kurzfristig war. Daher gestalteten wir unsere Anfrage so deutlich wie möglich. Als Antwort kurze Zeit später kam dann „Ruft mich einfach an, dann können wir alles besprechen.“ Ein einfaches „Na klar, wo kann ich euch abholen?“ oder „Sicher. Wir treffen uns am besten da und da“ wäre auch zu schön gewesen. Da wir beide so unfassbar gern telefonieren, besonders in einer anderen Sprache und man den Gegenüber so gut versteht wie den polnischen Nachrichtensprecher im Radio, wenn man durch einen Tunnel fährt, entschlossen wir, die Tour über die Rezeption zu buchen, um nicht wieder mit Schnick-Schnack-Schnuck (unsere Lösung für alle Belange) zu entscheiden, wer diesmal zum Hörer greifen muss.
Nach dem Frühstück erwartete uns dann auch schon Jaco, der uns in seinem Pampersbomber zunächst zu einem afrikanischen Markt brachte. Und diesmal war es tatsächlich ein richtiger Markt. Wir staunten und sahen uns alle Schnitzereien und jeglichen Nippes an. Handelten mit freundlichen Afrikanern und lauschten der Trommelmusik einer kleinen Schulband. Nach 1,5 Stunden auf mehreren Ebenen und auch auf dem Dach verließen wir stolz den Markt mit unseren Errungenschaften. Jaco fuhr mit uns weiter zum Mandela Haus, wo wir uns erneut über das Leben Mandelas informierten. Dann ging es auch schon weiter in eine traditionelle afrikanische Kneipe – einer sogenannten Shebeen. In Johannesburg kommt man auch ohne Leuchtreklame aus, denn eine Shebeen ist quasi nur ein kleiner Schuppen, der hinter das eigene Familienhaus gesetzt wird.

IMG_0059Nun saßen wir also im Schuppen und Jaco zauberte einen Milchkarton auf den Tisch: JoBurg Beer. IMG_0061Ahja. Der Karton spannte so wie meine Hose nach einem fünf Gänge Menü im DocCheng. Nach dem Öffnen zischte es kurz und Jaco ergoss das Gesöff in eine hölzerne Schale. Ina und ich amüsierten uns noch immer über die Verpackung auf der groß prangte: „Don’t drink and walk on the street because you might get killed“! Ein kurzer Blick in die Schale genügte mir an sich schon und hätte ich nicht gesehen, dass er das „Getränk“ eingeschenkt hat, hätte ich es gnadenlos als Spuckschüssel identifiziert. Aber aus Höflichkeit nahm ich die Schüssel mutig in beide Hände und trank das leicht ausgeflockte weiße Gebräu. Eine Mischung aus saurem Joghurt mit Weißwein trifft es glaube ich ganz gut. Gruselig. Ina nippte ebenfalls und freute sich lediglich, dass es nicht nach Bier schmeckte…
Wieder ins Auto und weiter in einen Park, in dem wir auf einen Turm mit 49 Stufen kletterten (diese stehen für die Teile Sowetos meine ich mich zu erinnern). Von dort konnten wir das ganze Township überblicken und der Turmwart, der zu uns gestoßen war, erklärte uns wichtige Einzelheiten über die Entstehung, bevor er uns in ein kleines afrikanisches Dorf mitten im Park führte. Ein afrikanischer Schamane hatte dieses erbaut, um die Kultur zu erhalten. Er war nicht nur Medizinmann, sondern auch Hellseher und hatte bereits 1976 den 11. September 2001 in einem Wandbild vorher gesagt. Richtig verrückt… IMG_0072Wir ließen uns also verschiedene Skulpturen und alte Hütten erklären und bedankten uns mit einer großzügigen Spende. Anschließend fuhren wir zur größten Kirche in Soweto, die im Juni 1976 zum Zufluchtsort vieler Studenten wurde. Der Aufstand von Soweto ging in die Geschichte ein. Der Protest gegen die rassistische Bildungspolitik und das gesamte Apartheidsregime des Landes forderte viele Todesopfer. Alle umliegenden Geschäfte waren von der Polizei geschlossen worden, nur die Kirche nicht, da der Pastor weiß war und ihm die Polizei nichts vorschreiben konnte. In der Kirche waren noch einige Einschusslöcher zu sehen und Danny unserer Erklärbär in der Kirche erzählte uns die ganze Geschichte und führte uns durch das Gebäude. Wir haben ihn zwar kaum verstanden, aber nett lächeln und winken klappt eben überall. Auch hier erleichterten wir uns im Anschluss um ein paar Rand und warfen diese in den Spendentopf. Karma und so…
Last but not least ging es dann noch tiefer nach Soweto und wir fuhren vorbei an großen Müllbergen, die die Straße säumten bis hin zu einem riesigen Platz. Jaco war bis dahin auch bei den Führungen immer bei uns gewesen, auch wenn er sich meist im Hintergrund hielt. Hier jedoch übergab er uns in die Obhut zweier Jugendlicher, die direkt im Township aufgewachsen waren und nun eine kleine Jugendorganisation leiteten, um Kindern eine bessere Zukunft im Hinblick auf ihre schulische Ausbildung zu ermöglichen. Diese beiden Jungs, kaum älter als wir, sollten uns nun ins Herz von Soweto führen. Über eine Brücke, die die Hütten im Hintergrund nur teilweise versteckte, gelangten wir auf die andere Seite und auf etwas was wir bis dahin nur im Fernsehen, bestenfalls bei den Werbespots für SOS-Kinderdörfer, gesehen hatten. IMG_0090Wir wurden beäugt genauso wie wir beäugten und liefen über eine sandige Straße. Neben uns lagen Häuser, die diesem Ausdruck nicht gerecht werden und mit einem Zaun aus dem Gestell von Matratzen umrandet waren. Kinder spielten mit kaputten Bastkörben Fußball, von überall ertönte Musik und wir mittendrin. Wir sollten Fragen stellen, aber was fragt man, wenn der Kopf plötzlich leer ist? Wir liefen vorbei an einem Dixie-Klo, welches dem gesamten „Dorf“ als Toilette diente. Strom wurde illegal abgezapft und fließendes Wasser gab es an einer Sammelstelle in der Mitte, wenn man von dem Rinnsal absieht, welches neben der sandigen Straße entlang lief und der Abfluss der Toilette war. Nach ein paar Minuten kamen wir zum ganzen Stolz der beiden: der Tagesstätte, die die Organisation gebaut hatte. Hier spielten noch mehr Kinder, die mit großen Augen unsere Schuhe betrachteten, die für uns normal, für hier aber recht bunt erschienen. Es gab eine Bibliothek, die jedes Kind eine Stunde am Tag besuchen musste, einen Essensaal und sogar ein Fernsehzimmer. Die Jungs erzählten, wir staunten. Auf dem Rückweg sahen wir wieder viele Kinder, die uns ansahen und winkten. Die Wehmut, die uns kein Wort sagen ließ, war nirgends zu erkennen, weder bei den beiden Jungs, die stolz von ihrem Township erzählten noch bei den Kindern, die vor unserer Nase tanzten oder sich wie kleine Kinder eben einfach durch die Straße jagten.
Die Zeilen reichen bei Weitem nicht um annähernd zu beschreiben, welches Gefühl die Bilder, Gerüche und Geschichten in einem auslösen. Und so ließen wir die beiden Jungs zurück, nachdem wir ihnen gedankt hatten und fuhren still mit Jaco zu unserem Hotel.

Erkenntnis des Tages: Wir haben gelernt, auf einem Markt zu handeln und das Geld, welches wir gespart hatten, haben wir gern auf unserer Tour wieder gespendet. Am letzten Tag haben wir all das gefunden was uns in drei Wochen Afrika irgendwie gefehlt hat.

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