Den Blinker, nicht den Scheibenwischer!

Erinnert ihr euch an eure erste Fahrstunde? Die allererste? Die, bevor man mit Papa auf dem Feld geübt hat? (rein hypothetisch natürlich, sowas haben wir nieeeee gemacht…).
Ein nervöses Lächeln, mit totaler Coolness überspielt, schweißnasse Hände (natürlich nur, weil es einfach tierisch warm ist…) und ein eindeutig beschleunigter Herzschlag (schließlich sitzt die Angebetete neben mir… 😉
Ja, so fühlt es sich an, wenn man das erste Mal auf der rechten Seite des Autos hinter dem Lenker sitzt und auf der linken Seite der Straße fahren muss. Wir haben schon extra einen Autoverleih ein wenig außerhalb genommen, um nicht zu Anfang gleich durch die ganze Stadt fahren zu müssen – und hatten den tollsten Taxifahrer der Welt, der nicht nur nen echt fairen Preis genommen hat, sondern uns scheinbar mal wieder verängstigt aussendende Mädels (man, wir sind COOL, nicht ängstlich!) bis zum Verleih gebracht hat.

Nun also auf diese furchtbaren Straßen… Ein Auto mit einem Kupplungs-Schleifpunkt i Madagaskar, wahrscheinlich die PS-Zahl von Omas AOK-Schopper und das am Gas hängt wie mein erstes Bobby-Car – Dreams came true…
Aus dem Parkhaus raus, stürzten wir uns ins Abenteuer. „Augen zu und durch“ traf es ganz gut… Wenn wir uns an einer Ampel an den Vordermann hingen, um nicht den Anschluss zu verlieren (merke, immer wem hinterher fahren, die wissen, wie man wieder auf „die falsche Seite“ kommt), kam der Gegenverkehr hin und wieder ziemlich nah. Und getreu nach dem Kinder-Motto „wenn ich dich nicht sehe, siehst du mich auch nicht“, haben wir hin und wieder einfach die Augen geschlossen und aufs Gas getreten. Naja, ich hab aufs Gas getreten, Aline hat die Augen noch ein wenig fester geschlossen…
Und dann die Sache mit dem Abbiegen… Freunde, der Blinker ist auf der falschen Seite! Da, wo der gemeine Europäer das Ding vermutet, ist der Scheibenwischer! Ich glaube, das arme Scheibenwischermotorchen musste noch nie im Leben so viel arbeiten wie heute… Schwungvoll wie normalerweise den Blinker, wurde also ständig der Scheibenwischer gesetzt. Dass die Dinger nicht irgendwann ihren Dienst quittiert haben und dem Hintermann auf die Scheiben geflogen sind, grenzt eigentlich an ein Wunder… Obwohl, hätten sie verdient, die hupen nämlich alle ständig… (Könnte wohl am Fahrstil liegen…).

Nun sind wir in Pretoria und machen uns morgen auf nach Nelspruit, um in die Nähe vom Krügerpark zu kommen. Wollten wir eigentlich heute, da aber gestern das Lammcurry uns die ganze Nacht lang lustige Geschichten erzählt hat, wollten wir heute dann doch keine fünf Stunden Auto fahren…

Achja, der Weg nach Pretoria… Erst mal piept unser Auto ständig! Von Terrorwarnungen und Nazibedrohungen vollkommen verunsichert (man weiß ja nie, welche Kulturen die braunen Schmalspur-Glatzköpfe noch so infiltrieren), dachten wir an die Kofferraumbombe. Kommt, von der Kofferbombe zur Kofferraumbombe isses nicht so weit. Okay, genug Blödsinn… War nur das komische Mautsystem der Autobahn. Irgendwie wirft man hier keine Münze ins Becherchen und fährt dann durch eine Schranke, sondern das geht über irgend ein System im Auto – jedenfalls glauben wir das. Sonst sind wir eben ab morgen die meist gesuchten deutschen Maut-Zechenpreller Südafrikas!

Und unser Karma-Highlight! Kurz vor Pretoria quittiert unser Navi den Dienst. Kein Strom, weil der blöden Zigarettenanzünder nicht funktioniert. Wir haben also keine Ahnung, wohin wir müssen. Alines Augen weiten sich erst auf Sailormoon-Größe (ihr wisst, diese komische Manga-Serie… Gab’s in meiner Kindheit, habe ich immer heimlich geschaut, wenn Muddi aus dem Haus war). Dann kam Panik. Oh Gott, fast verloren, kein Weg zurück, keine Ahnung, wohin vorwärts. (Ich möchte nochmal betonen,wir sind in der Hauptstadt Südafrikas. Stimmt, da gibt’s keine Tankstellen, keine Menschen, kein nichts. Der kleine Kentucky Fried Chicken zu unserer Rechten wurde ignoriert.)
Aber, gutes Karma! Wir kamen DIREKT an einem Kia-Autohaus vorbei. Für den unfassbar hilfsbereiten Kia-Mitarbeiter waren das drei Handgriffe, und das Ding lief!

Fazit das Tages: das Auto hatte sicher noch nie saubere Scheiben und Fliegen knacken wie ein Stück trockener Ast, wenn sie in so ein elektrisches Fliegenfangdings fliegen. Diese Idioten…

Taxi Taxi

Für eine Strecke drei verschiedene Preise? Geht!

Was tut man in einer Stadt, die mehr zur Durchreise gedacht ist und bei der selbst die Einheimischen es nicht immer schaffen, das „alles cool“-Lächeln auf den Lippen zu behalten? Man besucht erst mal das Apartheid-Museum. Denn es ist wirklich kaum zu glauben, dass hier vor weniger als zwanzig Jahren noch eine Rassentrennung bestand. Und man merkt diesen Zwiespalt in jedem Gespräch, was man mit den Leuten hier führt. Und es gibt ja nicht nur „black“ und „white“. Die Ethnien, die hier heute aufeinander prallen, sind äußerst vielschichtig. Und verrückterweise sind sie sich auch alle untereinander nicht wirklich „grün“ (sondern in vielen Köpfen eben schwarz oder weiß).

Also, ab ins Museum. O-Ton unserer Gastmama „ach, Kriminalität… Steck dir eben ein bisschen Geld in den BH, damit du nach nem Raub wenigstens noch nach Hause kommst“. Ooooke, also mal kurz den Money-Push-Up angelegt und los geht’s.

Ah, erstmal überlegen, wie man da hin kommt… Sammeltaxi? Süßer kleiner Bus, in den geschätzte zwölf Leute passen, die alle die Knie an den Ohren haben. Also mal wieder die Gastmama fragen… „Wenn euch euer Leben ein paar Euro Wert ist, nehmt ein Privataxi“ Sie hat schon wirklich eine zarte Art, uns gemeinen Europäern die Kultur näher zu bringen…

Also ab ins Privataxi. Schlappe 12 Euro. Gar nicht mal so wenig… Das Museum ist definitiv ein Besuch Wert und kann einen stundenlang fesseln – wenn man schon gefrühstückt hat… Hatten wir nicht, also danach ab in die Stadt. Wieder schlappe 120 Rand „Festpreis“ (ja,sicher… Für weiße Touristen…) halbe Strecke, gleicher Preis, Schnäpper…

New Town. The place 2 be, laut dem Taxifahrer. Naja, wir wollen mal nicht übertreiben… Viele Museen, kann man nicht meckern. Aber ansonsten… Naja, brauchen wir nicht nochmal. Aber ein spitzen Lammcurry hatten wir!

Danach ging’s los, eine einheimische Simkarte zu kaufen. Nach 20 Minuten haben wir einen Laden gefunden. Naja, eine Einbuchtung mit viel Zeug drin… Wie viel da so von verschiedensten Lastwagen gefallen ist, wagten wir nicht zu mutmaßen. Der Kauf hat auch nur eine schlappe Stunde gedauert… Die Technik eben. Schön auch: man muss die Simkarte eigentlich mit Personalausweis und südafrikanischer Adresse registrieren. Hat kurzerhand der Shopinhaber gemacht, indem er von irgendwo her einen kopierten Ausweis herbei zog und die Dinger registrierte. Wenn wir also morgen von Interpol gesucht werden, war der nette Herr, dessen Identität wir nun auf unserer Karte haben, wohl doch nicht so ganz koscher. Man weiß ja nie, wer mit wem noch irgend eine Rechnung offen hatte…

Dann wurds richtig lustig. Challenge: finde ein Taxi, das uns zurück bringt. Also wieder irgendwen fragen. Auf Geheiß eines Mannes mit feuchter und undeutlicher Aussprache sind wir zu einer Art Markt gelaufen. Was wir dort fanden, war dann doch ein wenig… Uneuropäisch… In einer Art riesiger Tiefgarage trafen wir auf hunderte Minibusse. Alle mit laufendem Motor, kreuz und quer über die Randsteine und Gassen zwischen den Autos hindurchfahrend. Ein Lärm wie auf dem Grünstreifen der A3 zur Rushhour, dazwischen stehende Busse mit laufendem Motor, auf dessen Haube lautstark Karten gespielt wurde. Achja, vom Dauerlutscher bis zum blinkenden Warndreieck wurde zwischendurch auch noch alles verkauft. Nachdem wir kein normales Taxi finden konnten, sich langsam klaustrophobische Gedanken unseres Geistes bemannten und unsere Lungen statt CO2 gerne wieder Sauerstoff wollten, haben wir dann die Flucht ergriffen.

Zurück zum Simkartenhändler unseres Vertrauens. Keine Zähne mehr im Mund, aber Mitleid mit uns, rief er einen befreundeten Taxifahrer. Und diesmal fragten wir vorher, was so eine Strecke normalerweise kostet. 70 Rand, okay. Der Taxifahrer kam, wollte 100 Rand. Wir lächelten mild und fühlten uns schon richtig urban, als wir ihm 80 anboten. Und er nahm an. Was sind wir knallharte Geschäftsleute…!

Erkenntnis des Tages: an Ampeln kann man alles kaufen, rot ist gleich grün und Jo’Burg ist nett (kleiner Bruder von „richtig Scheisse“ und Cousin von „never again“) und wir finden Hitler auch blöd!

Mit Ice Age bis Johannesburg

So, da sind wir nun also. Neues Land, neuer Kontinent, alles neu (die „neu“-Liste auszuschreiben würde die begrenzte MB-Zahl unseres Hotspots definitiv sprengen…). Nach 12 Stunden Flug die ich mehr oder weniger souverän gemeistert habe, kamen wir endlich an. Mit Ice Age in der Dauerschleife.
Naja, jedenfalls, wir waren am Flughafen, unser Hostel-Taxi eher nicht. Und irgendwie schienen wir ein „wir sind klein und hilflos und stellen uns gleich wippend in die Ecke“ auf der Stirn stehen zu haben. – muss an der Sprachbarriere liegen… Denn wir fühlten uns total tough und weltenbummlerisch – eben nur ohne Taxi.
Also näherten sich von allen Seiten komisch grinsende Herren, die Geschäfte witterten und uns in ihr Taxi verfrachten wollten. Nach einem Telefonat mit dem Hostel sagte uns die liebe Stimme (ah, war ein geliehenes Telefon, unsere ach so tollen Simkarten klappen keinen Meter), dass sie bald da sein wird. In 30 Minuten. Die Distanz vom Flughafen zum Hostel. Also haben wir den erstbesten komisch grinsenden Taxifahrer genommen. Natürlich vorher den Preis ausgehandelt, den selben wir wie unsrem Abholservice, und dann ging’s los. Irgendwie wollte er auf einmal 50 Rand mehr haben… Immer dieser Sprachbarrieren…

Also eingecheckt, süßes Hostel in scheiß Lage.
Schnell noch um die Ecke zum Supermarkt (bitte nicht nach Sonnenuntergang). Man gewöhnt sich schnell an mit MGs ausgestattet Aufpassern vor den Geldautomaten und am Eingang des Supermarkts. Andere Welt halt. Mit vielen fremden Klängen. Egal, ob auf der Straße oder vom Nachbarn.

Den Bauch nun voll mit Nudeln und Hackfleischsosse (naja, das Hack würde ich eigentlich nicht mal Nachbars fettem Fiffi geben, wenn ich ihm Durchfall wünsche…) schreiben wir heute nur ein paar Zeile und fallen gleich ins Bett. Und warten mal ab, was das Hackfleisch heute Nacht so zu uns sagt 😉

Teure Reise, tolle Sponsoren und ein traumhafter Start

Eine umfangreiche Zahnbehandlung inklusiver neuer Brücken, Beläge (ah ne, die müssen ja eher runter) oder wie das ganze Zeug heißt, kann nicht viel teurer sein als so eine lustige Weltreise. Zugegeben, der Vergleich kam mir nur, weil ich heute morgen den Vor-Reise-Zahnarzt-Checkup hinter mich bringen musste. Nächtelang wieder nicht geschlafen, also mit Augenrändern versehen und Händen, nasser als nach einem Vollbad, nun also zum Zahnarzt. Und dann ist alles in Ordnung, ich konnte also nicht mal mehr ein Spielzeug für die tagelangen mentalen Strapazen abgreifen…

Zurück zum Thema! So eine Weltreise ist teuer. Und da wir gerne unsere daraus entstehenden Schulden abbezahlen wollen, bevor wir unsere Rente dafür auch noch opfern müssen (Altersvorsorge, Kinder!), mussten wir uns was einfallen lassen. Not macht erfinderisch, wobei, zugegeben, das ist schon Jammern auf hohem Niveau. Jedenfalls haben wir uns auf unsere Fähigkeiten besonnen. Die sind bei Marketing-Menschen wie uns dann doch eher – nennen wir es… spezifisch. Denn wir können reden (und ein kleines bißchen schreiben). Also Kühlschränke in der Arktis verkaufen, eine Präsentation halten, die wir nie vorher gesehen haben oder alten Frauen unnötige Lottoabos verkaufen (hey, ich war jung, brauchte das Geld und hab’s auch nach zwei Monaten wieder an den Nagel gehängt – RTL Explosiv stürmte auch das Büro und wollte ein Interview mit dem Geschäftsführer wegen dessen dubioser Machenschaften…)
Jedenfalls sind wir so auf die Idee gekommen, dass man ja auch Firmen, Zeitschriften und Co. von unserem Blog erzählen kann. Werbung verkaufen finden wir toll, Werbung machen eher nicht. Deswegen ging es uns um Unterstützung, wir berichten gerne, testen irgendwelche Dinge oder sonst was. Aber wir würden eher nicht schreiben „kauft Baumwollschlüpper von XY, denn nur damit kann man sich vor einem Bungeesprung so richtig schön in die… “ oke, reicht…

Nie mit irgend einer Resonanz gerechnet, kam prompt ein Tag später eine wahnsinnig liebe Mail einer Mitarbeiterin von „Tatonka“. Ihr wisst, Outdoorsachen, Rucksäcke und knaller Erste-Hilfe-Pakete und so weiter. Und sie hat nicht einfach gesagt, ihr bekommt ein Pflaster. Nein, sie hat gefragt. Was wir brauchen. Wie gut ist das denn?? (Kleine Anekdote: voller Freude schrieb ich davon meinem Dad. Was kommt zurück? Kein „toll Ina“, kein „Mensch, vielleicht kannst du mit dem Geschreibsel mal ein bißchen Geld verdienen“, kein „ich freue mich“. Sondern „ihr Chaoten seid unterwegs, nehmt das Erste-Hilfe-Set!“ So isser, der fürsorgliche Babbah…)

Jedenfalls möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich und mit einem dicken Grinsen, bei dem beide Ohren Besuch von den Mundwinkeln bekommen, bei Tatonka für deren Hilfe bedanken! Einfach eine tolle Geste!


Achja, was haben wir als erstes genommen??? Das Erste-Hilfe-Spezial-Set! 😉

Robinson am Freitag

Nun sind es nur noch 25 Tage und der Planungsbrei in unseren Köpfen würde mittlerweile eine mittelgroße Krippengruppe für eine Woche im Voraus versorgen können. Zu Beginn unserer Planung dachten wir „Man sind wir cool und ganz schöne Draufgänger“. Jetzt, wo die Reise immer näher rückt und wir uns mehrmals täglich durch das Internet und diverse Reiseführer kämpfen, fällt die Coolness hin und wieder in einen komatösen Tiefschlaf oder versteckt sich hysterisch kichernd unter der Couch. Je mehr wir lesen und je mehr wir vergleichen, desto öfter denken wir „Ach du Kacke!“. Aber das Gute ist, dass meistens einer von uns ruhig bleibt. In der Regel ist das Ina, die dann noch ein mal auf den Plan ruft, dass wir eine Weltreise und keinen Pauschalurlaub im Robinson Club machen. Es ist also vollkommen in Ordnung, dass es spannend bleibt. Und auch wenn wir vor lauter Reiseunterlagen, Rechnungen, Anträgen und Vergleichen manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, dann überwiegt dennoch die Freude auf das was noch alles vor uns liegt und was wir gemeinsam erleben werden.

Und Dank der vielen Bäume, die gerade um uns herum so stehen, lernt man auch recht schnell die eigene Wahrnehmung und vor allem auch die Perspektive zu ändern. So fällt einem auf einmal auf, dass man für den GinTonic und den Caesar Salad, den man gestern einfach so bestellt und verputzt hat locker drei Nächte in einem Doppelzimmer mit Blick auf die Stadt in Antananarivo nächtigen kann und das zu zweit. Relationen verschieben sich schon jetzt und auch wenn wir es im Moment noch belächeln, dass wir für die Zusatzoption mit dem schönen Stadtblick einen Aufpreis von 70 Cent bezahlen, dann wird uns spätestens bei der Ankunft in einigen Ländern bewusst, dass die Besitzerin dies gar nicht so amüsant findet, denn knapp die Hälfte aller Madagassen haben weniger als 70 Cent am Tag zum Leben. Auch diese Seite unserer Reise sollten wir uns hin und wieder ins Gedächtnis rufen.

Wir haben die Möglichkeit unseren Horizont zu erweitern und auf dieser Reise an uns selbst zu wachsen. Dank unserer Familien, die uns stets unterstützen, kommen wir in den Genuss in einem Kokosnussbikini auf den Mamanucainseln Purzelbäume zu schlagen, wenn uns gerade danach ist oder können uns ein klappriges, verrostetes und natürlich TÜF-freies Mofa in Peru kaufen, um damit zurück nach Santiago de Chile zu knattern. All das möchten und werden wir natürlich mit euch teilen und freuen uns, dass ihr uns somit auf unserer Reise begleitet, denn Abschiede liegen uns beiden nicht so, daher nehmen wir euch lieber alle mit!

Landkarten-Bingo

Da sucht man über Monate die perfekten Länder für einen Trip zusammen, sammelt Infos, geht nach Gefühl. Schaut, welche Länder irgendwie „cool“ klingen und nicht den Anschein von „in geschnürten Wanderstiefeln mit Wollsocken durch den Schwarzwald stiefeln“ haben, außerdem mehr Flair mitbringen als ein Ausflug zu den Karl May Festspielen in Bad Segeberg. Und dann das…!

In Südafrika denkt man ja noch, okay, das ist schon recht groß, da müssen wir Abstriche machen. Und in den Park wollen wir, den Rest bauen wir halt drum herum. Schauen mal, was noch so kommt. Und dann kommt Madagaskar. Da sieht dieses Inselchen so niedlich aus, wie es da vor der afrikanischen Küste rumdümpelt. Aber mist, das Ding ist schmale 580.000 Quadratkilometer groß. Und hat eine (!) Hauptstraße. Aber die auch bitte mit Fahrer benutzen, denn es kommt schon mal gerne vor, dass man von der provisorisch errichteten Holzplanken-Brücke fällt. Unser Reiseführer sagt dazu „Lemurs, baobabs, rainforest, beaches, desert, trekking and diving: Madagascar is a dream destination for nature and outdoor lovers – and half the fun is getting to all these incredible attractions.“ Okay, also mussten wir uns mit dem Gedanken anfreunden, in zwei Wochen wohl nicht die ganze Insel bereisen zu können. Aber wo nun hin? Der Reiseführer sagt: der Norden ist spannend. Der Reiseführer sagt: der Süden ist spannend. Achja, und die Mitte hat auch noch einiges zu bieten. Was also? Knorrige alte Bäume anschauen? Oder durch den Nationalparkt über Hängebrücken kraxeln? Oder zu den niedlichen (wirklich) kleinen Inseln am Rand? Oder eher zu den Tauchspots?

Wir haben uns dann für folgende Methode entschieden, die nun sowas wie ein Reise-Credo werden wird: man nehme eine Landkarte, breite sie sorgsam vor sich aus (diese Dinger sind wie Beipackzettel in den Medikamentenschachteln, man bekommt sie nie wieder so zusammen gefaltet, wie sie vorher waren). Dann trinke man drei Mexikaner, bevor man sich vom Anderen die Augen verbinden lässt. Nun eine Paintball-Farbkugel zur Hand. Anschließend drehe man sich einbeinig drei Mal im Kreis und wirft die Farbe auf die Landkarte. So findet man schließlich sein Reiseziel! Wem das zu langweilig ist, der kann diese Schritte auch öfter vollführen, bis sich ein Twister-ähnliches (u know, dieses Begrabbel-Spiel, was man während der Pubertät immer gespielt hat, um „zufällig“ auf der angehimmelten Person zu landen) Spielfeld ergibt. Man spiele Twister, trinke fleißig weiter. Und worauf man mit der rechten Pobacke fällt, dies wird das neue Reiseziel.

Viel Spaß beim Ausprobieren 😉

Lappen

Ist er nicht hübsch? Da lacht man jahrelang die armen Besitzer des pinken Lappens aus und präsentiert mit Stolz seinen Führerschein in Kreditkartenformat, wenn man beim Zigaretten- oder Alkoholkauf nach dem Ausweis gefragt wird, und dann kriegt man selbst so ’nen Wisch in die Hand gedrückt. Nicht im zarten altrosa, sondern in Tarnfarbengrau liegt er nun vor mir – der internationale Führerschein. Was ist das Besondere daran? Nichts. Dieses Stück graue Altpapierpappe mit Stempel und kleinen Bildern von verschiedenen Fahrzeugklassen, das für schlappe 18,-Euro in unseren Besitz überging, hat nicht nur ein handliches DIN A5 Format was locker in die Gesäßtasche einer Gangster-Baggyhose passt sondern ist ohne den nationalen Führerschein auch gar nicht gültig. Ergo wir müssen in Johannesburg dann also auch unseren deutschen Führerschein und natürlich zur Identifizierung auch unseren Reisepass vorlegen. Aber immerhin wissen wir seit gestern auch wofür wir das alles brauchen. Wir haben unser Auto gemietet. Mit einem flotten Kia Picanto oder einem ähnlichen Gefährt in Elefantenrollschuhgröße werden wir durch Südafrika und somit auch durch den Kruger Nationalpark düsen. Etwas Gutes hat es aber, denn unser Miniklassewagen wird hoffentlich nicht von einem Elefantenbullen mit einer Elefantenkuh verwechselt. Wir gehen höchstens als ausgewachsenes Erdmännchen durch und sollten somit direkt zwischen den Beinen der Elefantenherde hindurch fahren können. Aber zunächst müssen wir bis zum Nationalpark kommen, denn in Südafrika herrscht Geisterfahrerverkehr, also zumindest für deutsche Verhältnisse. Das erste Abendteuer erwartet uns demnach schon beim Verlassen der Mietwagenstation in Johannesburg, wenn wir uns in den Linksverkehr stürzen. Ihr werdet es erfahren, denn wir werden berichten, ob und wie wir den Nationalpark erreichen. Vielleicht wechseln wir zwischendurch auch unser Gefährt und steigen auf ein Streifengnu um oder lassen uns auf dem Rücken eines Impalas durch den Busch tragen.

Morgens halb zehn in Deutschland

Heute war es wieder so weit. Ein fulminantes Frühstück in Form von zwei mehr oder minder kleinen Spritzen wartete wieder in der Praxis von Dr. Sommer auf uns und wurde von MC Summer himself serviert. Ina durfte gleich als erste wieder auf die Pritsche und blank ziehen, nachdem Herr Dr. Sommer wieder einen seiner sphärischen Witze zum Besten gab und sich köstlich darüber amüsierte. Danach spielten wir wieder Bäumchen wechsel dich und ich hüpfte auf die Bank, um erneut meinen Körper mit Rabipur und kleinen Kolonien gegen FSME zu ärgern. Während Ina die versteckte Kamera aus der Tasche zog, um diesen einzigartigen Moment festzuhalten, holte Herr Dr. Sommer weitere Kalauer aus seiner Witzkiste. Wir ließen ihn lachen. Was soll’s, tattrige Hände hat er ohnehin, da kam es nun beim besten Willen auch nicht mehr auf ein weiteres Zittern an. Nachdem auch ich mir mein Lob für meine Tapferkeit abgeholt hatte gesellten wir uns wieder an den Arzttisch und folgten aufmerksam seinen Erklärungen zum weiteren Vorgehen, welches sich natürlich im Minutentakt änderte. Irgendwie ist es ja in Wahrheit auch völlig egal, ob wir nun erneut gegen Polio geimpft werden, obwohl wir diese Impfung schon haben oder ob Ina die mir noch fehlende Impfung bekommt oder eben ich. Bereits am Anfang der „Sitzung“ stellten wir ja schon fest, dass ich für die Koordination der Termine zuständig bin und Ina den Rest übernimmt. Also kann sie auch einfach meine Impfstoffe mit übernehmen. In Fachkreisen spricht man glaube ich von Arbeitsteilung. Und so packten wir unsere schweren Arme wieder ein und schlenderten zur Empfangsdame, die uns noch kurz um unsere Impfgebühr erleichterte und uns dafür aber strahlend ein schönes Wochenende wünschte. Dann hoffen wir dieses Mal, dass unser Immunsystem nicht wieder Samba tanzt und freuen uns auf die nächsten beiden Termine, die noch vor uns liegen. Achja, beinahe hätte ich es vergessen. Wir sind euch ja noch ein Foto schuldig. In seinem vollen Glanze und vertieft in unseren Impfplan ließ er sich dennoch zu diesem prachtvollen Schnappschuss hinreißen. Dr. Sommer – der Arzt dem Ina und ich vertrauen.

Dr. Sommer

Three down. Three more to go! Heute hatten wir wieder das Vergnügen die morgendlichen Stunden mit Dr. Sommer zu verbringen. So alt wie die Bravo scheint auch unser Tropenarzt zu sein. Und jedes mal, wenn wir auf der Pritsche sitzen und todesmutig der Spritze entgegen springen, dann könnte man meinen, dass wir nicht wirklich älter als der gemeingefährliche Bravo-Leser sind. Die Geschmeidigkeit mit der er im Schleichschritt zu seinem Medikamentenbeitisch geht ist so grazil wie die einer sibirischen Breitarschantilope. Die schwungvoll dahingekritzelten Hieroglyphen, die er jedes Mal in unsere Karteikarte malt, spiegeln seine jahrelange Erfahrung wider und sind bei jedem Folgebesuch ein wahres Highlight, da er sie selbst nicht entziffern kann – wir fühlen uns gut aufgehoben und kompetent beraten.

Mit über 600 Euro, die wir bereits der Pharmaindustrie und dem Gefolge von Dr. Sommer gespendet haben fühlen wir uns befreiter, irgendwie leichter eben. Dafür haben wir aber auch schon einiges bekommen – 5 Spritzen mit Millionen Kulturen und ganze 24 Film-Tabletten mit denen wir die Moskitos auf Madagaskar zielsicher bewerfen können. Eigentlich gar kein schlechter Deal, wenn ihr mich fragt.

Und so fiebern wir schon den nächsten Terminen mit unserem Lieblingsfacharzt für Tropenmedizin entgegen und unterdrücken stets den Drang einen fachlich korrekten und nahezu überschwänglichen Eintrag auf Qype zu veröffentlichen, damit noch mehr Reisende in den Genuss von Malerone, Rabipur und natürlich Dr. Sommer kommen.

Da fiel die Tür ins Schloss

Da kam er nun, der eine Tag. Der an dem ich meinen Wohnungsschlüssel aus der Hand gab und meine eigenen vier Wände verließ. Seit Wochen habe ich schon meine neuen Untermieter auf dem Papier stehen, aber gestern wurde es dann ernst und das Protokoll hielt alles fest. „Hier entlang. Bitte, tretet ein und fühlt euch wie zu Hause.“ Mit ein paar kleinen Handgriffen waren Klingel- und Briefkastenschild ausgetauscht und ein weiterer Abschnitt beendet. „Auf Wiedersehen. Gehabt euch wohl. Tschüss geliebtes Heim. Wir sehen uns im nächsten Jahr.“

Ein erneuter Haken auf der endlos langen Liste. Ein großer Haken, dennoch schwungvoll gezogen. Und der Stift ist bereit, um weitere Haken zu schlagen, Sachen zu streichen und weitere hinzuzufügen. Nun sind es nur noch Wochen, keine Monate mehr und noch einiges steht auf dem Plan. Die erste von zwei Wohnungen ist leer, die zweite noch immer unser zu Hause. Und so packe ich meine vier Wände in die Tasche, nehme mein zu Hause an der Hand, um mit ihr die Welt zu bereisen und Farbe an neue Wände zu malen.