vierundzwanzigster neunter

Heute wandern meine Mundwinkel besonders weit Richtung Kopfende, denn ich bin nicht nur glücklich sondern unsagbar zufrieden.

Vierundzwanzig neunen später stehen wir heute in einem Raum mit Lamellenvorhängen und Topfpflanzen, die ich noch aus Oma Hedwigs Schlafzimmer kenne. Wir sitzen hier mit schwitzigen Händen, einem debilen Grinsen im Gesicht und einer Kopie von verblichenen, mit Schreibmaschine getippten Zeitzeugen unseres ersten Tages auf diesem Planeten.

Und dann lege ich ganz unbewusst meine Hand auf dein Bein und da ist sie wieder, diese Zufriedenheit. Dieser Zustand, der so vielen so schwer zu erreichen scheint und noch schwerer festzuhalten ist, weil er allzu gern aus unserem alltäglichen Gefühlschaos entflieht. Weil er sich nicht zum sondern vom Glück in die Enge getrieben und von der Liebe gemoppt fühlt. Bei uns bedarf es eines Augenaufschlags, einer Berührung oder auch nur eines Gedankens. Ich schaue auf und die quietschige Stimme von Oma Hedwigs Urenkelin, die inbrünstig von ihrer Petersilienhochzeit schwärmt, verstummt. Auf einmal sitzen nur noch wir in diesem Raum mit klinisch toter Tapete und der Auslegware aus den Jubiläumswochen von Roller. Wir sitzen da wo wir in 168 Tagen nervös von einem Bein auf’s andere springen werden. Das nächste Mal, wenn wir hier sitzen, dann tragen wir nicht nur den gleichen Ring und Namen, sondern auch uns für den Rest unseres Lebens.

Dann stehen wir wieder im Flur, auf dem Gang. Zwischen den Toiletten und neben der kroatischen Übersetzung der Beitrittserklärung zur Eheschließung nach deutschem Recht aus dem Prospektspender. Und dann schaust du mich an und sagst mir das ich nach Zuhause rieche. Ich küsse dich, schmecke Heimkehr und Wolken und das Verlangen dich nach 50 Ehejahren noch mit genau dem gleichen Glanz in meinen Augen und dem selben Grinsen im Herzen anzusehen. Mich auf dich verlassen zu können, mit und an dir zu wachsen. Mir sicher zu sein, um mich dennoch mutig in Ungewisses zu stürzen. Klein zu sein, um großes zu leisten. Dich halten, um loszulassen. Mich jeden Tag neu in dich verlieben ohne dich vorher weniger geliebt zu haben. Mit dir einfach einfach sein.

Nach neunundzwanzig neunen waren wir dann oft genug neunmalklug und werden zum Ja-Sager par excellence – zumindest für einen Tag. Und ich freue mich unbändig darauf!

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