Vom Idealen und den Idealen

Es ist in etwa so wie die Grundsatzfrage am Sonntag morgen: süß oder herzhaft? Bestreiche ich mein Brötchen zärtlich mit einer nicht allzu dicken Schicht Nutella oder brate ich mir doch eher das ordentliche Spiegelei, in der Mitte noch weich – versteht sich von selbst.

Aber anstelle sich zu fühlen wie das Gelbe vom Ei, ist es eher die weiche Konsistenz der Mitte, mit der eine Identifikation zum gegenwärtigen Zeitpunkt an wahrscheinlichsten erscheint.
Nach einer ereignisreichen Weltreise fühlte man sich nun endlich angekommen im Traumjob. Locker ein paar hundert Bewerber ausgestochen und somit breit grinsend einen riesen Schritt ins Berufsleben gemacht, erschien mir doch alles rosiger als der Schonbezug meiner Großmutter.
Und dann merkt man, dass A nicht gleich A ist und B schon eher wie Y denn wie C. Wovon ich rede? Das weiß ich oft selbst nicht so genau…
Vom schnöden Mammon, der breit grinsend hinter dem nächsten Gehaltsscheck lockt, ebenso wie die Aussicht auf eine steile Karriere. Große Autos und noch größere Wohnungen sind eine feine Sache. Die Liebste mit Geschmeide und Schuhen überhäufen ist auch wirklich nicht zu verachten.
Da ist es, das Ideale. Der Lebensweg, wie er immer erträumt wurde, nun nicht nur greifbar, sondern schon in Geruchsnähe.
Und dann kommt die Frage, ob man die schwere Süße des Chanel-Parfums wirklich auf seiner Haut haben will oder lieber in der Parfümerie auf dem obersten Regal bewundert.

Denn da wären ja noch die Ideale.
Was ist, wenn man anstatt in geraden Linien lieber in geschwungenen Kreisen denkt?
Wenn die Aufmerksamkeit am Schreibtisch nicht der Excel-Tabelle gilt, sondern der richtigen Schatten unter der fancy Überschrift in der Powerpoint-Präsentation.
Wenn man sich daran erfreut, zum fünften Mal die Rückseite der Kaffeepackung lesen zu können, bevor man wieder den Kopfsprung in die nächste Zahlenkolonne wagen muss – wobei man doch viel lieber die Arschbombe auf dem nächsten Plakat landen würde.

Auf meiner Schulter sitzt sicher kein Engelchen oder Teufelchen. Eher das bräsige, etwas dickliche Nutellaglas mit der Schreibfeder in der Hand und das frisch gebratene Spiegelei mit dem kleinen Taschenrechner.
Macht keinen Sinn? Macht nix. Macht es oft nicht.

Denn die Grundfrage bleibt – dem Idealen folgen oder die Ideale von der Leine lassen?

Vielleicht können sich auch beide am Ende des Tages die Hand geben.
Nicht natürlich, ohne sich vorher kräftig in die Handflächen zu spucken und dabei breit zu grinsen in dem Glauben, der andere habe den herrlich gelben Fleck auf der Innenseite nicht bemerkt.

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Ein Gedanke zu „Vom Idealen und den Idealen

  1. der babbaaahhhhh sagt:

    viel zu viele gedanken……auf den bauch hören, und ein kleines bisschen kopf dazu. dann ist der gute erfolgreiche job basis um sich auch ideale zu erfüllen
    du machst das schon

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